Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 19 (1859))

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Ab eg g:
So wird denn auch für die besondern Fälle die Anwendung
jener Regel ihr richtiges Maaß finden und wird erkannt werden,
in welchem Umfang sie gelten und innerhalb welcher Grenzen —
im Gegensatz zu den Fällen, wo für sie kein Raum bleibt. Denn
wenn wir jetzt — ohne der Verwahrung unseres Interesses für
die Wissenschaft und für die Erkenntniß und Unterhaltung des er-
wähnten Zusammenhangs des neuen Rechts mit seiner geschichtli-
chen Grundlage zu bedürfen — den praktischen Gesichtspunkt in's
Auge fassen, so wird sich ergeben, daß eine Reihe von Bestimmun-
gen, hoffentlich die Mehrzahl — welche das neue .Strafgesetzbuch
aufstellt, ohne Znhülfnahme des altern Rechts, oder dessen bisherige
Auffassung in den Gerichten, unmittelbar, als für sich deutlich und
unzweifelhaft, oder durch richtige Auslegung nach den nunmehr
maaßgebenden Grundsätzen, zur Anwendung kommen können und
müssen, möge nun übrigens jener Zusammenhang statt finden und
in höherem oder geringerem Grade ersichtlich, oder doch mittelst
des Aufwandes gelehrter Forschung nachweisbar oder im Gegentheil
durch eine wirkliche berechtigte Neuerung durch einen Bruch mit
dem Alten, unbedingt gelöset seyn, was unter anderm überall da
anzuerkennen ist, wo die Absicht der Aenderung unzweifelhaft vor-
liegt und einer der Fortschritte, welche unfern neuen Gesetzgebungen
auch wohl meist mit Grund nachgerühmt werden öj, bezweckt wor-
den war.
Das finden wir am häufigsten auch bei Vergleichung früherer
Landesgesetzgebungen — nicht blos solcher, die einen ganzen Rechts-
theil umfassen, sondern auch und vornehmlich die bestimmten lehren
des bürgerlichen oder des Strafrechtes und des auf dieses oder
jene sich beziehenden Verfahrens gewidmet sind — mit dem ge-
meinen Rechte, daß wenn die letztere herrschende Streitfrage
entschieden, eine Unbestimmtheit gehoben, eine Nicke ausgefüllt ist.
Das Zurückgehen auf das ältere Recht hat hier, und nicht blos
für die Theorie seinen Werth, aber es wird keine andere praktische
Ergebnisse zur Folge haben, als die in der neuern Gesetzgebung
ausgesprochenen und um so mehr bestimmt beabsichtigten, als hiefür
einerseits ein besonderes und anerkanntes Bedürfniß vorhanden

6) Wie verschieden hierüber freilich die Urtheile und Auffassungen sind, habe
ich in der Note 1 angef. Schrift S. 62. 128. 133 gezeigt.

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