Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 19 (1859))

36 Jacobson:
dem Staate die Unterdrückung ihrer wesentlichen Lehren gefolgert
werde.
Ganz abgesehen von der Frage, ob durch die Gesetzgebung von
1782 eine wesentliche Lehre der Kirche unterdrückt worden sei,
erscheinen v. Gerlachs Gründe überhaupt keineswegs geeignet, um
die Richtigkeit der von ihm vertheidigten Meinung zu erweisen.
Rach der damaligen Verfassung mußte sich die Kirche eine derartige,
von ihr übrigens nicht als solche betrachtete, Unterdrückung gefallen
lassen, weil das vom Oberhaupte des Staates und zugleich der
evangelischen Kirche erlassene Gesetz eben so den Staat, wie die
evangelische Kirche rechtmäßig verpflichtete. Die Behauptung, der
Gesetzgeber habe im vorliegenden Falle die Kirche nicht verpflichtet,
kann dadurch nicht begründet werden, daß der Gesetzgeber sich nur
an die Gerichte wende und nicht an die kirchlichen Behörden. Daß
er das Letztere nicht that, erklärt sich vollkommen daraus, daß
seit 1748 die Consistorien nicht mehr die Cognition in Ehesachen
besaßen, sondern an die bürgerlichen Gerichte übergegangen war.
Uebrigens wurde das Gesetz allgemein publicirt, weil Jeder sich
darnach zu richten haben sollte, also auch die Geistlichen, welche
überdies schon durch das Pro/ect des 6orpor!s juris Fridericiani zur
Copulation auch solcher Personen verpflichtet waren, welche nach
den Grundsätzen dieses Gesetzbuchs und nicht der Kirchenordnung
geschieden waren79).
Eben so wenig sind andere von v. Gerlach angeführte Gründe
geeignet, seiner Ansicht Vorschub zu thun. Er fährt nämlich in
seiner Auseinandersetzung also fort: „Es wird auch unsere Be-
hauptung dadurch nicht entkräftet, daß nach dem Publikations-Pa-
tent des Allgemeinen Landrechts dieses Gesetzbuch an die Stelle
aller Quellen des gemeinen Rechts getreten sei, folglich auch das
bis dahin gültige gemeine protestantische Kirchenrecht antiquirt habe.
Um diesen Einwurf zu widerlegen, braucht man nur zu fragen,
ob es denn auch für Katholiken das gemeine kanonische Recht anti-
quirt habe? Warum sollte aber die evangelische Kirche dadurch in
einen schütz- und rechtloseren Stand gekommen sein, als die katho-

79) SR. sehe deßhalb das Project Pars I. Lib. II. Tit. III. insbesondere
§. 7. 26. und spätere Spezialverordnungen, deren eine rößere Anzahl
sich in den Anm. 73 eit. Schriften findet.

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