Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

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Untersuchungen über die Sendgerichte.
tung, Selbstmord, Abtreibung der Leibesfrucht, Verstümmelung des
Körpers und Beraubung der Zeugungsfähigkeit in Frage kommen,
und gelegentlich auch alle Verletzungen des besonderen Friedens der
Kirchen, des kirchlichen Eigenthums und der geistlichen. Personen
erörtert werden.
2) Ehebruch und Hurerei, adulteria 6t fornicationes, auch
unbegründete oder mit Umgehung des geistlichen Gerichts bewirkte
Scheidung, Blutschande, Verhcirathung gegen die Eheverbote der
Kirche, Kuppelei, unnatürliche Sünden.
"3) Diebstahl und Raub, furtum et rapina, insbesondere
Kirchenraub (sacrilegium).
4) Meineid und Eidbru ch, periurium, so wie Verleitung
dazu.
5) Falsches Z e ugniß, falsum testimonium, dabei auch
Menschenraub.
6) Zauberei und heidnischen Aberglauben (de incan-
tatoribus et sortilegis — de sanguine et moi’ticinis), woran sich Noch
7) die Vergehen gegen die kirchliche Ordnung schließen.
Dahin gehören einmal die Verletzungen der den Gläubigen von der
Kirche vorgeschriebenen besonderen religiösen Pflichten (Sakraments-
verachtung, Feiertagsbrüche, Entziehung von der Beichtpflicht), so
wie Versagung der der geistlichen Obrigkeit schuldigen Unterwer-
fung, z. B. Nichtachtung der Exkommunikation, Umgang mit Er-
kommunieirten, Entziehung von einer auferlegten Kirchenbuße, Nicht-
befolgung der gerichtlichen Befehle und Ladungen der geistlichen
Obrigkeit (ihres bannus], Verletzung des Pfarrzwanges und der
Zehntpflicht, sodann Verletzung des kirchlichen Anstandes (Gesang
von unanständigen oder Spottliedern in der Nähe der Kirche, Plau-
dereien während des Gottesdienstes) und der bürgerlichen Ordnung
(Bestimmungen gegen den Bettel, falsches Maß und Gewicht, ver-
botene Verbindungen), und endlich die nationalen Laster (z. B.
assidua ebrietas), in welcher letzteren Beziehung die erziehende Wirk-
samkeit der Kirche mit ihrer ängstlichen Sorgfalt selbst für die leib-
liche Gesundheit ihrer unbändigen Zöglinge uns Züge einer wahr-
haft rührenden Naivität vor Augen stellt. Dem Standpunkte der
kirchlichen Zucht war es durchaus angemessen, daß der Begriff des
Verbrechens, die Auflehnung gegen die äußere Rechtsordnung nicht
streng festgehaltcn und die Wirksamkeit der geistlichen Strafgerichte

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