Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

Untersuchungen über die Sendgerichte. 359
neu sie doch, um mit Hinkmar zu reden, noch stets als oommi-
nistri episcopi, welche den Send aus übertragenem Rechte, nicht in
eigenem Namen hegen. In unseren Quellen wird dem Sendge-
richte daher auch wohl schlechthin die Bezeichnung Placitum epis-
copi55J bei'gelegt, und dasselbe mit dem ordentlichen königlichen Be-
amtengerichte des Gaus, dem Grafending (klacitum comitis) zu-
sammengestellt. Als eine Ergänzung der Synodalgerichte blieben
auch fernerhin unter dem Vorsitze der ländlichen Erz priest er
(archipresbyteri plebium) die 'Priesterversammlungen in den Land-
dekanien in Thätigkeit 5Ö); mit Beziehung auf diese unterste Stufe
der Aufsicht ist von einem placitum archipresbyteri und einem bannus
archipresbyteri die Rede, wobei um so weniger an ein Sendrecht
dieser Erzpriester aus eigener Gewalt gedacht werden darf, als
gerade die Lauddekane ein Element bilden, welches sich überall eng
an das bischöfliche Regiment angeschmiegt chat.
B. Die Zuständigkeit der Sendgerichte
gestaltet sich zunächst
I. in persönlicher Beziehung höchst einfach. Da alles
Sendrecht noch in der Hand des Bischofeö, also der ordentlichen
geistlichen Obrigkeit des Sprengels ruht, so kann in Beziehung auf
den Send von befreiten Gerichtsständen für bestimmte Klassen der
Bevölkerung in diesem Zeitraum nicht wohl die Rede sein. Nur
so viel ergab sich aus den Verhältnissen, daß die Fehle mächtiger
Personen von den Bischöfen persönlich in Erwägung gezogen und

55) S. z. B. Conc. Tribur. a. 895. c. 9 bei Hartzheim, Concilia Ger-
maniae T. II. p. 394 und das unten im Anhang mitgetheilte Sendrecht
der Main- und Rednitzwenden.
56) In den alten Misfionsgebieten sind diese ländlichen Erzpriester frei-
lich oft erst viel später und nicht ohne Widerstand eingeführt worden.
So suchte noch im elften Jahrhundert das Kloster St. Gallen in der
Landschaft zwischen der Sittern und der Goldach das Aufkommen der
Erzpriester zu verhindern. Für die Stimmung in den klösterlichen Krei-
sen in Bezug auf dies Institut ist folgende Stelle aus Ekkehardi IV.
(lebte zwischen 980 und 1036) casus 8. Galli cap. 14 bei Pertz, M. G.
Scr. T. II. p. 136 bezeichnend: invidi monachis nunc temporis episoopi
vix nobis et nostris halitum 'relipquentes, ut Salustii verbis utar, nil
nobis reliqui facere moliuntur, ministrosque odii et invidiae iniustae-
que potentiae holophernicos asciscunt arcbipresbiteros . . .
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