Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 19 (1859))

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Dove:

die etwas weiter als der Synodalschluß gefaßte Frage (69) die
Anzeigepflicht auch auf die luxuria et omne opus pravum ausdehnt,
so dürfte auch hier zunächst nur an Entheiligung des Feiertags zu
denken sein. Dagegen soll nicht in Abrede gestellt werden, daß es
sich innerhalb dieses beschränkten Kreises der der Aufsicht dieser
Personen unterworfenen Angelegenheiten um eine wahre Rügepflicht
handelte.
Wer sind nun aber diese äeeani? Daß nicht an die geistlichen
Landdekane zu denken sei, ergiebt sich schon aus dem Umstande,
daß die Rüge dem Pfarrer geschieht, denn die Frage setzt für den
saoeräos des Synodalschlusies einfach presbyter. Ueberhaupt charak-
terisirt sich die Stellung nicht als die geistlicher Personen, sondern
als die von Gemeindeangehörigen. Die fränkischen Quellen kennen
weltliche Dekane in verschiedenem Sinne. Unter anderem bezeichnet
dieser Ausdruck eine obrigkeitliche Person, welche den geringsten
Rang unter allen einnahm 15); an diese dürfte vielleicht auch hier
zu denken sein. Zu Reginö's Zeit dürften diese äeoani mit den
Geschworenen des bischöflichen Sendgerichts meist identisch ge-
wesen sein.
Was nun aber das Alter dieser Einrichtung betrifft, so soll
zwar die Möglichkeit nicht geleugnet werden, daß für den beschränk-
ten Kreis der Beaufsichtigung der Sonntagsfeier eine Rügepflicht
bestimmter Personen vielleicht schon vor Einführung der bischöflichen
Sendzeugen anerkannt worden ist; die Annahme jedoch, welche das
Alter jener Bestimmung bis in die Mitte des siebenten Jahrhunderts
hinaufrückt, erscheint mir gänzlich unzulässig. Es ist hier wieder
jene räthselhafte Synode von Rouen, welche als Wurzel einer Ein-
richtung bezeichnet wird, die bei Regino in voller Wirksamkeit er-
scheint. Der ganze Charakter der letzteren stimmt aber nicht zu
den kirchlichen Einrichtungen des siebenten Jahrhunderts, vielmehr
weist die unverkennbare Verwandtschaft mit der Gestaltung, welche
die bischöflichen Sendeinrichtungen seit Einführung der Sendzeugen
gewonnen hatten, auf das neunte Jahrhundert hin. Es erscheint
auch nicht gut denkbar, daß uns bei einem so erheblichen zeitlichen
Abstande in den für jene Jahrhunderte reich fließenden kirchlichen
Quellen jede Spur einer Vermittlung für eine in das Volksleben

52) Belege bei Waitz, Deutsche BerfaffungSgeschichte Bd. I. S. 262. Anm. 1.

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