Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

Untersuchungen über die Sendgerichte. 345
schriebeueu Kauones erheblichen Bedenken unterliegt. Es fällt ferner
in die Augen, daß die von Regino B. II. K. 2-5 mitgetheilten
Bestimmungen unter sich im engsten Zusammenhang stehen. Der
6. 3 gegebene Sendeid nennt aber den Erzbischof von Trier als
den Gerichtsherrn. Dieser Umstand hat schon den durch seine kri-
tische Bearbeitung des Regino hochverdienten Wasserschleben zu der
Annahme geführt, daß die erwähnten Bestimmungen (c. 2—5) von
Regino vielmehr aus dem Gerichtsgebrauche der Sende, wie er sich
ihm darstellte, entlehnt seien. Sodann ist bei Bestimmung des Al-
ters der Sendzeugen nicht zu übersehen, daß doch wohl die zahl-
reichen Synodalschlüsse und Kapitularien des achten und neunten
Jahrhunderts, welche von der Visitation handeln, ihrer mit einem
Worte gedenken würden, wenn diese wichtige Einrichtung in der That
schon seit dem siebenten Jahrhundert bestanden hätte. Es kommt
dazu, daß die von uns oben (§. 2) erörterten Bestimmungen der
Synode von Pavia (850) doch wenigstens soviel beweisen, daß in
jenen Gegenden um die Mitte des neunten Jahrhunderts zur Rüge
vereidete Sendgeschworene noch unbekannt waren, da die Erzpricster
die im Sende zu strafenden Vergehungen vielmehr durch fleißige
Umfrage bei den einzelnen Hausvätern erkunden sollen. Auch Hink-
mar von Rheims, dessen Instruktionen für seine Archidiakonen und
Archipresbyter uns einen genauen Einblick in die Gestaltung sowohl
des vom Bischof und seinen Kommissarien gehegten Sendgerichts
als auch der dasselbe ergänzenden Einrichtungen in den Dekanien
gewähren, erwähnt die Sendzeugen nicht. Wir dürfen also wohl
mit Recht deren Vorhandenseyn wenigstens für die erste Hälfte des
neunten Jahrhunderts in Abrede stellen").

44) Ich halte es sogar für nicht unmöglich, daß die Bezeichnung des 6. 2
bei Regino: »Unde, supra« ursprünglich gar nicht auf die Quelle, das
Conc. Rotomag. sich bezogen hat. Diese Bezeichnung pflegte nämlich
Regino, hierin dem Vorgänge einer älteren Kanonensammlung in 381
Kapiteln (vgl. Richter, K. R. §. 40. Anm. 8. S. 88) folgend, da wo
ein Kapitel einen seinem Vorgänger verwandten Stoff behandelte, bei-
zusetzen. Nehmen wir nun an, daß die jetzige Inskription des Kan. 2
»de iuratoribus synodi« ein neuerer Zusatz ist, und die ursprüngliche In-
skription bloß »unde supra« gelautet hat, so würde dieß nicht „eben-
daher wie,Kan. 1," sondern „deffelben Inhalts wie Kan. 1" (qualiter
episcopus suam parochiam debet circumire) zu verstehen seyn.

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