Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

Untersuchungen über die Sendgerichte. 333
innerlichen Wandlung, welche mit den Anschauungen und Forde-
rungen der Kirche über Beichte und Absolution besonders im elften
und zwölften Jahrhundert vorging **). Wie groß nämlich auch der
Einfluß war, welchen in Folge dieser veränderten Anschauungen der
Beichtstuhl dem Priester sicherte, der nun nicht mehr als ein bloßer
Verkündiger der göttlichen Gnade, sondern ausgestattet mit der
göttlichen Binde- uud Lösegewalt'die Sündenvergebung ertheilte,
so mußte doch für die Ergänzung des weltlichen Strafrechts diese
Seite der kirchlichen Thätigkeit zurücktreten, seit das Bekenntniß ein
geheimes geworden war und der beichthörende Priester nur noch
als ein Richter des Gewissens nach eigenem Ermessen die Buß-
werke verhängte.
Inzwischen hatte aber die Kirche bereits ein anderes Institut
entwickelt, durch welches es ihr mit größerem Erfolge gelang, die
Lücken des weltlichen Strafrechts auszufüllen, nämlich die Send-
gerichte 23). Während das Beichtwesen, wie wir gesehen haben,
auf den brittischeu Inseln zu früher und reicher Entfaltung kam,
so hat die Entstehung der Sendgerichte sich an die im Abendlande
besonders durch die spanische Kirche ausgebildete Einrichtung der
jährlichen bischöflichen Visitationen angeschlossen.
§. 2. Entwicklung der Sendgerichte aus der Visitation.
Eine im Jahre 516 zu Tarragona gehaltene Synode be-
zeichnet die jährlichen Visitationen der einzelnen Diöcesen durch ihre
Bischöfe bereits als eine alte kirchliche GewohnheitAuch in
der gallischen Kirche ist ihre Abhaltung von den Synoden vor-
geschrieben und von den Königen wiederholt anbefohlen wor-
22) Richter, K. R. S. 556.
23) Indicium synodale-synodus. Was den deutschen Ausdruck Send be-
trifft, so habe ich denselben früher irriger Weise von sendan, senden
abgeleitet, a. a. O. p. 52. vot. 9. — Daß er vielmehr durch Zusam-
menziehung von synod entstanden ist, zeigen die niederländischen Formen
synd, zynd, sowie die in den friesischen Sendrechten vorkommenden For-
men: a) neutr. 1) Rüstring: sinuth, 2) Brokm.: sineth, 3) Wester-
lauw. : sind; 6) masc. sinethe (Fivelgoer und Westerlauwer'scher Text).
Die mittelniederdeutsche Form ist senet Althochdeutsch seneth, senet.
Schmeller 3, 275. Mittelhochdeutsch sent.
24) Conc. Tarracon. a. 516. c. 8 in c. 10. C. X. qu. 1. 5
25) Conc. Are lat. VI. a. 813. c. 17: Ut unusquisque episcopus sCimel

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