Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

26

Jacobson:
ständig oder gemäß einer Aufforderung der Gemeinden und Obrig-
keiten eine Ordnung, welche dann nach vorangegangener Prüfung
von den dazu Berechtigten (den Ständen, Gemeinden u. s. w.) ge-
billigt und von Magistraten oder Landesherrn publicirt wurde. Ein
guter Theil der Kirchenordnungen, namentlich der Reformirten, be-
ruht auf Schlüffen der Synoden 53), welche zu einem Ganzen ver-
bunden landesherrlich bestätigt wurden. Dieser Ursprung der Kir-
chenordnungen erhellt zweifellos aus den Vorreden und Publications-
patenten derselben **). Zm Allgemeinen wurde auch bei den späteren
Revisionen nach den anfänglichen Grundsätzen verfahren, indessen
wurde nicht immer mit aller Strenge daran festgehalten und das
Gesetzgebungsrecht von den Fürsten in mehr selbstständiger Weise
geübt.
Das von der Obrigkeit übernommene Kirchenregiment hatte das
dem Geiste der Reformation entsprechende Miturtheilen der Ge-
meinden 55) alsbald ausgeschlossen. Die Landstände, welche an sich
freilich nicht als Vertreter der kirchlichen Gemeinden erschienen,
konnten wenigstens einen theilweisen Ersatz für dieselben bieten,
indem sich in ihnen doch auch das kirchliche Bewußtsein der Ge-
meinden mit aussprach. Auch sie wurden indessen entfernt oder
wenigstens sehr beschränkt, wie dies aus den mannigfachen deßhalb
geführten Streitigkeiten in der Mark Brandenburg, in Mecklenburg,
Pommern, im Herzogthum Preußen u. a. m. hervorgeht56). In
diesem Sinne erklärte der Markgraf Johann Georg von Branden-
burg in der Vorrede der revidirten Kirchenordnung von 1561 (1573):
„Uns auch als dem Landsfürsten aus fürstlicher Obrigkeit,
Hoheit und wegen Unsers tragenden Amts gebühret und zu-
stehet, rebus sie stantibus, nicht allein in weltlichen, sondern
auch in geistlichen Sachen Recht und Gerechtigkeit männiglichen
in Unserm Churfürstenthumb und Landen mitzutheilen, auch
geistliche Ordnungen, dadurch Zucht und Ehrbarkeit erhalten,

53) M. s. darüber den Urkundenband zu meiner Geschichte a. a. O. IV, 3.
54) vgl. Richter'S Sammlung und die Mittheilungen bei v. Kamptz (Anm.
48) cit., Stahl die Kirchenverfassung nach Lehre und Recht der Pro-
testanten S. 181 folg.
55) s. oben Anm. 24. Cit.
56) s. v. Kamptz (Anm. 48) an v. Stellen, Richter, Geschichte S. 113 f.
und daselbst angeführte Lit.

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