Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

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Jacobson:
Dieses Aufsehen auf die Kirchen hatte nach und nach bereits
einen großen Umfang gewonnen und erstreckte sich auf alle kirchliche
Thätigkeit. Nachdem nun zum letzten Mal den Bischöfen erklärt
war: „Wir sehen nicht gerne Unordnung und wündschen von Her-
zen, daß die Bischöfe und ihre Mitregierende Personen ihr bischöf-
lich Ampt thuen wollten, und erbiethen uns auf diesen Fall zu Ge-
horsam —. Und so die Bischöfe fortfahren mit Verfolgung christ-
licher Lehr, wie sie bis anher gethan, so können wir Priester und
Lehrer keine Einigkeit mit ihnen machen. Was unsre Fürsten und
Oberkeiten thuen wollen, mögen sie selb bedenken" 46); nachdem die-
ses Erbieten zum Gehorsam von Seiten der Bischöfe zurückgewiesen
war, da blieb unter den damaligen Umständen nichts übrig, als
daß die Fürsten und Oberkeiten auch ferner die bereits übernom-
mene geistliche (bischöfliche) Jurisdiktion ausübten, welche nach
dem Religionsfrieden im Verhältnisse der Bischöfe zu den Augsbur-
gischen Confessionsverwandten „ruhen, eingestellt und suspendirt
seyn und bleiben sollte".
Der Unterschied von Staat und Kirche war zwar hierdurch
nicht aufgehoben, aber der Nothstand, von dem Luther schon früher
gesprochen, war nun rechtlich sanctionirt,
„— Daß man die zwei Regimente... nicht ineinander menge,
wo nicht hohe Roth und Mangel der Personen solches er-
zwänge" 47).
Der landesherrliche Episkopat umfaßte nunmehr die kirchliche
Aufsicht, die Provision der Aemter, die obere Verwaltung der Kir-
chengüter, die Gerichtsbarkeit, die Gesetzgebung4^). Bei der Ver-

46) a. a.O. S.598.
47) Unterricht, daß geistlich und weltlich Regiment wohl unterschieden werden
sollen vom Jahre 1536, in den Werken von Walch X, 294.
48) Eines specielleren Nachweises können wir uns enthalten. Außer den schon
früher angeführten Zeugnissen findet fich eine große Anzahl bei v.Kamp tz:
Ueber das bischöfliche Recht in der evangelischen Kirche in Deutschland.
Berlin 1828 (aus den Jahrbüchern für die Preußische Gesetzgebung u. s. w.
Heft 61 besonders abgedruckt). Eben so wenig bedarf es einer Ausein-
andersetzung, daß und wie, obschon unter anderen Umständen, auch in der
reformirten Kirche sich das Kirchenregiment mit der obrigkeitlichen Gewalt
vereinigten. M.s. Richter Geschichte a.a. O. S. 148 folg. Weiske's
Rechtslexikon a. a. O. X, 461.

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