Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

232 Warnkönig:
Auctor und seinen Repräsentanten gegenüber — Eigenchum durch
den Vertrag erworben seyn soll. Aber das Eigenchum und sonstige
dingliche Rechte sind ihrer Natur nach absolute, und stehen noch»
wendig.gegen Alle zu. Ein nur dem Auctor gegenüber beste-
hendes Recht dieser Art ist ein in sich selbst widersprechendes.
Wäre eS nicht rationeller gewesen, zu dem richtigen Princip des
römischen RechtS zurückzukehren, wornach durch Vertrag nur ein
Forderungsrecht auf eine Sache entsteht (wobei die Transcrip-
tio» an die Stelle der römischen Tradition tritt); denn im Grunde
ist das dem Käufer nur gegen den Verkäufer zustehen sollende
Eigenchum doch nur ein Forderungsrecht, weil ihm der Charakter
der Dinglichkeit abgeht94). Wird ja bei beweglichen Sachen (frei-
lich in Folge des Satzes: cn fait de meubles la possession vaut
titre) ein späterer Contrahent Eigenthümer, wenn ihm und nicht
dem Ersten die Sache tradirt ist»«).
Es laffen sich noch gegen die eine oder die andere Bestimmung
des Gesetzes Einwürfe machen, z. B. daß es die Transcription
auf das Vorwcifen von Privaturkunden hin gestattet»«); daß es
nichts enthält über den Eigenthums - Erwerb durch Ersitzung ohne
transscridirte ErwerbstitelS7). — Andere sind bei Gelegenheit der
Tertbeleuchtung des Gesetzes schon angedeutet worden. —
Wie viel man nun aber auch an dem Gesetze zu tadeln finden
mag, und wie sehr es den Vorwurf der Halbheit verdient, Io
jkann man doch nicht läugnen, daß es eine höchst nothwendige Ver-
besserung des Rechts enthält, und daß man zu dieser Wiederein-
führung des vaterländischen germanischen Rechtes Frankreichs Ge-

bar neue Gesetz hätte jene Artikel antiquiren sollen. Sein Gegner
Humbert hält, S. 484 der Revue, bieg nicht für nöthig.
94) Da indessen der relative Eigenthumsübergang gesetzlich sanctionirt ist,
so können — wie Duverdy zeigt (S. 113—115) — doch schwierige
Streitfragen entstehen.
95) Art. 1141 und 2279.
96) Gegen eine solche Gesetzgebung sprach sich auch Mittermaier (1853)
au«, a. a. O. S. 433. X. VI. und Bd. 36. S. 474. Duverdy
a. a. ©. S. 116.
97) Duverdy S. 120. Humbert ist der Ansicht, daß eine solche Be-
stimmung nicht nöthig war. und hält die Ersitzung wegen Art. 2265
deß 6oä« Napoleon für begründet.

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