Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

214

Stvbbe:

Verkäufer oder der spätere Besitzer des Grundstücks seiner Verbind-
lichkeit nicht nach, so kann der Käufer sich nur durch Pfändung
und schließlich durch Unterwindung des Guts schadlos halten. Aber
auch der Verkäufer kann den Berechtigten nicht zwingen, auf die
Rentenzahlung zu verzichten und sich die Kapitalisirung oder Zu-
rückgabe des Kaufgeldes gefallen zu laFen; denn das Recht des
Käufers gilt einem Immobile gleich und kann ihm nicht ohne seinen
Willen genommen oder mit einem Aequivalent vertauscht werden.
Da man es aber auf der andern Seite für bedenklich hielt,
ein Grundstück mit ewigen Lasten zu beschweren und nachfolgenden
Geschlechtern eine Verpflichtung aufzubürden, deren Aequivalent
ihnen selbst nie Nutzen gebracht hatte, so wurde das Geschäft oft
in der Horm eines Kaufs auf Wiederkauf abgeschlossen und dem
Rentenverkäufer gestattet, die Rente um deüselben Preis wieder
zurückzukaufen, einzulösen und das Grundstück zu befreien (vgl.
oax. 1. Extrav. comm. III, 5). Es galt als ein besonderer Akt
der Freundschaft, wenn der Verkäufer sich die Ablösung des Zinses
gefallen lassen wollte, vgl. z. B. Kraut N. 37. Auch durch die
Gesetzgebung wurde es allmählich an vielen Orten ausgesprochen,
daß die ewigen Zinsen von Seite des Verkäufers abgelöst werden
könnten. Die deutsche Redaktion des bübischen Stadtrechts ans
dem Anfänge des 13. Jahrhunderts (Hach II, 125) spricht die
Ablösbarkeit zum Nutzen der gesammten Bürgerschaft aus (vgl.
auch H a ch III, 229 und Revid. IW. R. III, 6. 9). — Damit die
Häuser nicht verfallen und die Bürger im Stande sind, Wach-
dienste zu thun und ihre Stenern zu leisten, gab König Rudolf
a. 1283 seiner Stadt Goslar das Privileg, daß jede Mark
Renten mit 10Mark abgelöst werden darf (Böhmer Reg. Rud.
N.'758); es wurde dasselbe im Privileg Wenzels a. 1390 wieder-
holt (Gösch en S. 122. Z. 41 ff.) und kam aus demselben als
späterer Nachtrag in die Statuten (S. 25. Z. 7—17). — In
Brünn wird die Ablösbarkeit als ein besonderes Privileg durch
König Johann eingeführt (Brünner Stadtr. N. 119). — Da in
Basel die Guter mit Zinsen schwer belastet waren und man be-
fürchtete, daß wenn noch mehr Zinsen auf sie gelegt würden, sie
unbebaut und wüste liegen blieben, so wurde um die Mitte des
15. Jahrhunderts verordnet, daß Niemand eine Gült auf sein lie-
gendes Gut schlagen, vergeben, vermachen dürfe, denne mit gnade

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer