Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

IW Stobbe:
laß, zwei solche Formen zu unterscheiden: auch in den neueren
Duellen wird dem Renteukäufer das Grundstück nicht durch die
Auflassung „gesetzt", verpfändet, vielmehr besteht nur eine Gewere
am Zinse und das Recht, sich bei Nichtzahlung der Renten an das
Grundstück zn halten, ist nicht die Folge eines schon früher beste-
henden Rechts, sondern ein gesetzliches Sicherungsmittel der For-
derung. *
Es besteht also nur eine Gewere an der Rente, nicht am
Grundstück. —
Die Rentenverpflichtung steht in einer besondern Beziehung
zu einem Grundstücke: der Verkäufer verkauft, verspricht die Rente,
läßt sie auf aus Häusern, aus einem Hof, einer Mühle, einem
Weingarten, einem ganzen Kreise von Immobilien, z. B. Urk.
a. 1328 bei Pauli III. S. 397:
quod .. . domina debet habere annuatim LX Marcarum red-
ditus in domo, in qua ipsa et filii ejus habitant ... et in
omnibus bodis ad eam pertinentibus, item in domo, que sita
est apud valvam hucorum l9}.
Diese Beziehung zum Grundstück hat eine doppelte Bedeutung:
1) daß dasselbe für die Abtragung der Reute haftet, und 2) daß
der jedesmalige Besitzer des Grundstücks dieselbe Verpflichtung an-
erkennen muß ™). Da das Grundstück immer dasselbe bleibt, wenn
die Person des Besitzers und Schuldners wechselt, so konnte man
zu der bildlichen Auffassung kommen, daß das Grundstück selbst der
Schuldner sei; man sagte: habeo tot mareas wicbeldes in domo,

19) Davon verschieden ist der Fall, daß Jemand aus seinen gesammten Gü-
tern eine Rente verspricht, Urk. a. 1351 bei Seidertz II. Nr. 721:
promittimus .... unam Maream .... solvendam singulis annis
ex universis bonis nostris; Urk. bei LUdewig reliq. Mss. V, 160:
durch dieß Geschäft entsteht keine Rente im technischen Sinne, sondern
eine persönliche Beipflichtung, welche nicht ans den spätern Erwerber
einzelner Grundstücke übergeht.
29)Urk. a. 1490 bei Ludewig reliq. Mss. I, 488: der Rentenkäufer ver-
spricht „für mich, alle meine erbin, erbnemen und wer diestn obgeschri-
ben gartin in hat." — Münchener Grundbuchsordnung v. 1572. Art. 12.
§ 3: „sollen und wellen wir, alle unnsere erben u. nachkhomen
und wer furo das ... haus ... inn hat“ den ewigen ZinS bezahlen
(Auer S. 949).

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