Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

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Stob b e:

er sich für ein gegebenes Darlehen ein Grundstück verpfänden ließ
und statt der Zinsen dasselbe nutzte, oder wenn er sich eine Rente
aus einem Grundstück kaufte, welches ihm für die fortwährende
Bezahlung eine Garantie gewährte. Der Rentenkauf ist ein rein
deutsches, ungefähr um dieselbe Zeit in den verschiedensten Land-
strichen Deutschlands sich entwickelndes Institut, und es hat Eich-
horn (Nechtsgeschichte III. K. 450. S. 392) gewiß Unrecht, wenn
er glaubt, daß das römische Recht auf die Einführung dieses dem
Darlehen mit hypothekarischem Vertrage sich annähernden Geschäfts
Einfluß geübt habe. Gegen Ende des Mittelalters kam der Zweifel
auf, ob der Rentenkauf ein erlaubtes Geschäft sei, oder unter das
Verbot Zinsen zu nehme« falle; allein die Kirche entschied zu Gun-
sten des Rentenkaufs.
Cap. 1. Extrav. comm. III. 5 (de emtione et vend.): Martins V.
Entscheidung a. 1420 des in der Diözese Breslau entstandenen
Zweifels:
Ad hujusmodi ergo ambiguitatis tollendum dubium . . . prae-
fatos contractus licitos et juri communi conformes ac ipsorum
censuum venditores, ad illorum solutiones .... obligari, auc-
toritate apostolica .... declaramus.
Cap. 2 eod. Calirtus III. a. 1455 mit Bezug auf Merseburg.
Die Namen für die Rente sind sehr mannigfaltig und waren
nach Landschaften und Städten verschieden; mehrere derselben ent-
halten zugleich eine spezielle Beziehung auf städtische Grundstücke.
Wir gehFn die wichtigsten durch und verbinden damit zugleich einige
vorläufige Bemerkungen.
In den Städten sächsischen Gebiets war besonders der Name
„Wichbeide" oder „Wichbeldegeld" gebräuchlich. Das Wort
„Wichbelde" bedeutet ursprünglich die Stadt selbst und den Um-
kreis um die Stadt. Außer der sich hieraus entwickelnden Bedeu-
tung „Stadtrecht", jus municipale, wird das Wort auch verwendet,
um Güter, welche innerhalb des Stadtbezirks liegen, zu bezeich-
nen, z. B.:
Seibertz, Urk.-Buch zur Landes- und Rechtsgeschichte des Her-
zogthums Westphalen II. Nr. 782. a. 1366: de agris, qui
dicuntur jus municipale, quod vulgariter dicitur ivicbelde gut.
Dann hieß „Wichbelde" auch der Zins, die Rente, welche aus
solchen Grundstücken gegeben wurde, und zwar kommt dieser Name

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