Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

8. Zur Geschichte und Theorie des Rentenkaufes

VI.
Zur Geschichte und Theorie des Rentenkaufes.
Von
D. Stabbe.

Die historische Behandlung des deutschen Privatrechts hat in
immer weiterem Umfange den Beweis geliefert, daß die allgemeinen
Begriffe des römischen Rechts, welche in früheren Jahrhunderten
ohne irgend ein Bedenkeg, ohne daß auch nur die Frage über ihre
allgemeine Anwendbarkeit laut wurde, auch bei uns gelten sollten,
in dem heutigen Recht zum Theil modifizirt sind, daß die Auffas-
sung der Römer nicht überall die einzig denkbare ist, daß sie ent-
weder durch eine deutsche Auffassung ausgeschlossen wurde oder beide
nebeneinander in Anwendung auf verschiedene Kreise bestehen. Manche
seit langer Zeit vielfach erörterten Schulfragen, in denen bisher
der Streit mit Hülfe der römischen, als alleingültig betrachteten
Begriffe geführt wurde, oder allein die juristische Logik die Mittel
zur Entscheidung hergeben sollte, haben eine tiefere und sichrere
Beantwortung durch die historische Methode und durch Berück-
sichtigung auch der deutschen Quellen des Mittelalters erhalten.
Aehnliche Resultate wurden, besonders was das Obligationenrecht
betrifft, durch ein eingehendes. Studium von Rechtsinstituten des
neueren Verkehrs erreicht. Es konnte sich hier nicht mehr dafum
handeln, ob ein Institut, welches sich in dem Leben eingebürgert
hatte, wenn es sich den römischen Regeln nicht fügen wollte, in
seiner Existenz berechtigt sei; — es konnte nur die Frage sein, welche
Stellung es zu den geltenden Begriffen und den übrigen Instituten
habe. Man konnte dabei von verschiedenen Gesichtspunkten geleitet
werden: entweder man machte den — oft verzweifelten — Versuch,
das neuere Institut heterogenen Regeln dienstbar zu machen, oder
man erkannte von vorne herein den Gegensatz an und versuchte die
Analyse des Instituts aus sich selbst heraus. So hat das Stu-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer