Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

Kelle: Ueber eine Prager Rechtshandschrist re. 141
einbandes befindet sich ein später aufgeklebter Papierschild mit der
Aufschrift: „Historico-Juridicus. Ms. germ.*, wie es scheint, von
einer Hand des 17. Jahrhunderts. Sicher durch diese Aufschrift
veranlaßt, setzte der Bibliotheksscriptor Z., welcher in den zwan-
ziger Jahren dieses Jahrhunderts den Handschriftenkatalog anfer-
tigte, hiezu aber wenig Geschick, und noch weniger positive Kennt-
nisse besaß, und sich durch seine Kataloge nicht besser als durch
seine anderen schriftstellerischen Arbeiten und seine übrige literarische
Wirksamkeit verewigt hat, auf das Borsteheblatt der Handschrift:
„Fragmente historische juridische", und trug den Coder
nur mit dieser Bezeichnung unter XVI. F. 8, was, wie der Co-
der ausweist, in 5 zu ändern ist, in den deutschen Handschrif-
tenkatalog ein. Zum Ueberflusse ist auch der auf der ersten
Seite stehende Name: Leks von Rippchow für Unkundige
bis zur Unleserlichkeit ausgekratzt'»). Auf die also bezeichnete
Handschrift wurde von allen denjenigen, welche zk verschiedenen
Zeiten den Handschriftenkatalog durchmusterten, nicht geachtet, man
konnte von dieser Bezeichnung unmöglich auf den Inhalt schließen,
und die Handschrift wurde als ein vermuthlich ganz werthloses
Produkt in keiner Weise beachtet. Wenn also nicht der Zufall ein-
mal auf dieselbe führte, konnte sie nur bei einer vom Kataloge
völlig unabhängigen Durchsicht aller Handschriften wieder aufge-
funden werden.
Am Ende der Handschrift steht auf einem halb ausgeriffenen
Blatte: „Wyr przemko von gotis gnaden Herezog und herre ezu
Troppaw prestet deus“, woraus sich das Alter der Handschrift an-
nähernd bestimmen läßt, und sich auch Anhaltspunkte zur Feststel-
lung der Herkunft derselben ergeben.
D'Elvert gibt in seiner fleißigen Monographie über die Ver-
fassung und Verwaltung von österreich. Schlesiens auf Grund ur-
kundlicher Forschungen an, „daß im Jahre 1318 der böhmische Kö-
nig Johann von Lurenburg Troppau als Lehen nach Lehenrecht an
Niclas II.» Sohn des 1318 zu Brünn gestorbenen Niclas, für sich
und seine Erben verlieh." Niclas hatte von drei Frauen vier
1») Bgl. über das Auskratzen der Namen in Prager Handschriften: H anSli k,
Geschichte und Beschreibung der Prager Bibliothek. Prag 1851. p. 120.123.
2) Schriften der historisch-statistischen Sektion der k. k. mährisch - schles. Ge-
sellschaft des Ackerbaues rc. Brünn 1854. Heft VII.

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