Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

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Zur Lehre vom Connoffement.
welche in der Person des ersten Inhabers des Conuossements be-
gründet sind, können ihm gegenüber nicht geltend gemacht werden.
Der Umstand aber, daß in Folge dessen seder rechtmäßige In-
haber ein Recht auf die Waare erhielt und der Schiffer sie
ihm aushändigen mußte, führte dazu, das Connoffement als den
Repräsentanten der Waare zu betrachten, der, wie die Waare selbst,
von einer Hand zur andern geht, und.man glaubte den Besitzüber-
gang auf den ersten Destinatair, wie auf jeden folgenden Inhaber
des Connossements durch lauter symbolische Traditionen zu erklären.
Daß eine solche Lehre von der symbolischen Tradition sowohl den
Römern als dem heutigen Recht fremd ist, wird fast von Nieman-
dem mehr bestritten 4), und es ist daher jene Eigenthümlichkeit
jedenfalls anders zu erklären.
Die Großartigkeit des modernen Verkehrs konnte sich mit einer
so beschränkten Veräußerlichkeit der Obligation, wie sie das römische
Recht in der Cession geschaffen hat, nicht zufrieden erklären. Die
Session der Obligation weist immer zurück auf die Person der bei-
den ursprünglichen Contrahenten, der moderne Verkehr aber em-
pfand das Bedürfniß, den vermögensrechtlichen Inhalt der
Obligation zu trennen von der Persönlichkeit der ursprünglichen Con-
trahenten, und ihn an und für sich zu objectiviren. Im gewöhn-
lichen bürgerlichen Verkehr freilich ist dies nur in einzelnen, wie-
wohl sehr gewöhnlichen Fällen geschehen, und meistens kann man
sich hier mit der Cession der Forderung begnügen; der Handels-
verkehr aber führte darauf hin, daß man über den materiellen In-
halt der Obligation frei wie über jedes andere Vermögensstück
schalten, ihn verpfänden, verkaufen, einen Nießbrauch daran con-
stituiren könne u. s. w.
Diese Leichtigkeit des Verkehrs bieten aber nur körperliche Sa-
chen, die Obligation, die nur das Recht auf eine Leistung des
Schuldners ist, ist an und für sich zu wenig substanziell, um be-
quem aus einer Hand in die andere zu gehen, und wenn schon die
Uebertragung der Obligation selbst Schwierigkeiten macht, so ist
die Einräumung von Rechten an derselben in noch engere Grenzen

4) Anderer Meinung ist besonders Beseler System des deutschen Privat-
rechts H. §. 87 Nro. I—III. §. 224 Nro. V §. 252 Nro. III c. Siehe
dagegen Wilda in Weiske's Rechtslexicon S. 34 und die dort Äugest.

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