Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

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Zu Kap. 26 Im Richtsteig Landrechts.
Der §. 4 erörtert also das Beweisrecht. Ehe wir naher dar-
auf eingehen, fragt es sich, wie denn eigentlich die Klagebeantwor-
tung lautet; die Stelle selbst setzt dieß mehr voraus, als sie es sagt,
und wir müssen das Fehlende aus §. 1 ergänzen. Die Antwort
lautet ebenso wie die Klage: sie keddet in geweren, was nach Ka-
pitel 22 heißt, it si sin. Damit haben wir den Eigentbumsstreit
in feiner einfachsten Gestalt, beide Theile behaupten Eigenthum
ohne nähere Begründung. Wem gebührt nun das Beweisrecht?
Der Beklagte ist der Meinung, es müsse ihm ertheilt werden, da
er im Besitz sei. Allein es wird gegen ihn erkannt, er soll erst
angeben, wie er zur Sache gekommen sei * * * * 6).
Dieser Grundsatz, daß der Beklagte verbunden ist, den Grund
seines Besitzes anzugeben, ist, wie sich später noch näher zeigen
wird, von so fundamentaler Bedeutung für die Lehre vom Rechts-
schutz des Eigenthums, daß wir uns nicht dabei begnügen dürfen,
ihn hier in unserer Stelle ausgesprochen zu finden, sondern uns
danach umsehen müssen, inwieweit er auch sonst vorkommt. Und
da finden wir denn den Umfang seiner Geltung nach Zeit und Ort
wahrhaft staunenswerth. Es ist anerkannt, daß schon die ältesten
Volksrechte zunächst immer nur davon reden, wie der Beklagte sich
zu vertheidigen, nicht aber davon, wie der Kläger die Klage zu be-
gründen habe, und daß wir die Angabe deS Erwerbgrundes zu-

lichen Gedankengang treffen, nur daß jene Kunstgriffe wegfallen; §. 1
nimmt an, daß der Beklagte im Besitz ist und es wird gefragt, ob ihm
denn dieser Besitz nicht das Beweisrecht gewähre; §. 2 fetzt voraus, daß
beide Theile den factischen Besitz behaupten.
6) In dem Summarium von Homeyer scheint eine Verwechselung vor-
gegangen zu sein. Er pflegt den Kläger mit A und den Beklagten mit
B zu bezeichnen; vgl. z. B. Summarium zu 13 ß. 1 und sagt nun hier:
„A beruft sich auf daö Innehaben, B entgegnet" u. s. w., während e«
heißen müßte: B beruft sich u. s. f. Daß nach Homeyer- eigener Mei-
nung der Beklagte und Besitzer es ist, der sich auf das Innehaben be-
ruft, ergibt sich aus S. 494 zu 2. Vielleicht hat Homeyer im Sinne
gehabt, daß im §. 3 der, der den Andern laden ließ, die Rolle der
Beklagten übernimmt. Das Festhalten dieser ganz vorübergehenden, ziem-
lich bedeutungslosen „Behendigkeit" kann leicht verwirren. Man muß,
wie ich glaube, bei §. 4 nicht mehr daran denken, daß der schließliche Be-
klagte de« §. 3 ursprünglich Kläger war, d. h. den Andern laden ließ.

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