Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 6 (1841))

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Preußische Gesetzgebung vor Friedrich H.
Ueber den Urheber der andern Redaction der Landes-Ordnung
in 5 Theilen fehlt es durchaus an sicheren Notizen; nur jene Aen-
ßerung in der Lobrede auf Lamprecht Diestelmeper, nach welcher cs
scheint, daß derselbe bis zu seinem Tode, also noch nach dem Jahre
1577, mit dieser Angelegenheit beschäftigt gewesen, läßt einen An-
theil desselben an der neueren Fassung vermuthen. Wahrscheinlicher
ist, daß sein Sohn Christian dafür besonders thätig gewesen sei, wie
dies theils Hildesheim sehr bestimmt andeutet, theils daraus abzu-
nehmen ist, daß er in einer von den Ständen im I. 1593 dieser
Angelegenheit halber übergebenen Beschwerdeschrift unter den vier
landesfürstlichen Abgeordneten genannt wird, welche „zur Fortsetzung
der Constitution und Polizei - Ordnung" mit den Deputirten der
Prälaten und Ritterschaft verhandelt hätten; doch muß es freilich
dahin gestellt bleiben, ob ihm die eigentliche Abfassung zugeschrieben
werden kann, zumal er selbst in jener oben erwähnten Erklärung
nichts davon bemerkt, wie nahe es gleich gelegen hätte, und neben
ihm unter jenen Abgeordneten auch Joh. Koppen genannt wird 135}.
Als Zeitpunkt der Vollendung wird allgemein das Jahr 1594 an-
genommen; die Handschrift, in welcher das Publications-Patent sich
findet, und der Ueberschrift die Worte „aufgerichtet im I. 1594"
beigefügt sind, rührt jedoch aus dem Ende des 47. Jahrhunderts,
und da dieselbe Jahresangabe auch in Handschriften der älteren
Recension vorkommt, in andern wieder das Jahr 1596 genannt
wird, so kann wohl nur wenig Gewicht darauf gelegt werden.
Ueberhaupt scheint es uns bedenklich, dies Publications-Patent so
zu deuten, als sei die landesherrliche Bestätigung wirklich schon er-
folgt, und nur die Publication in Folge unerwarteter Hindernisse, oder

22. 48. 23 tt. 43 flg. — Daß übrigens diese Decisionen, obwohl
längere Zeit vor ihrem Erscheinen im I. 1600 verfaßt, neuer
sind als d. I. 1577, ist unzweifelhaft, da Koppen p. 112. 114 u.
248 der Reichsschlüsse v. I. 1576 u. 1582 erwähnt und p. 204
auf ein Kammmergerichts-Urtheil v. I. 1583 Bezug nimmt.
135) Mylius a. a. O. S. 5. ~ Allem Vermuthen nach ist dies der
Verfasser der Decisiones; nur ist freilich auch deßen Sohn gleiches
Namens, der spätere Vicecanzler, nach Hymmen a. a. O. Th. 3.
S. 219 u. 251 bereits im I. 1589 Kammergerichtsrath gewesen,
und konnte in so fern wohl gemeint sein.
Zeitschrift f. deutscheö Recht. 6. Vd. H. 1. 5

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