Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 6 (1841))

Preußische Gesetzgebung vor Friedrich H. 59
freilich in noch höherem Maaße, als es in andern Deutschen Terri-
torien der Fall gewesen, das von Alters her überlieferte einheimische
Recht theils in Mißachtung und Vergessenheit fallen, theils romani-
sirt werden. Beweise dafür haben wir oben bereits für einzelne
Verhältnisse geliefert, bei welchen man durch Deutelungen der ver-
schiedensten Art und durch falsche Analogieen das Herkommen
bald zu umgehen versuchte, bald direct verletzte; es bedarf aber
auch nur einer flüchtigen Ansicht jener Schriften über Märkisches
Recht, um die volle Ueberzeugung zu gewinnen, daß mehr und
mehr die Römische Rechtstheorie das Nebergewicht erhielt und dem
althergebrachten Recht die Gestalt von zerstreuten zusammenhangslosen
Fragmenten blieb.
Abhülfe gegen so verkehrte und mißbräuchliche Anwendung des
Römischen Rechts hätte auch hier durch die Gesetzgebung gewonnen
werden können, wenn sie, so viel von Deutschen Instituten und
Rechtssätzen sich im Leben und täglichen Verkehr erhalten hatte,
durch urkundliche Sanction gegen die Angriffe einer falschen Doctrin
geschützt und den Umfang wie Art und Weise der dem Römischen
Rechte gebührenden Autorität näher bestimmt hätte. Eine solche conser-
vative deklaratorische Legislation war hier sogar um so dringenderes
Bedürfniß, als anscheinend die Landes-Gesetzgebung selbst zur Recht-
fertigung der unter den Juristen des Landes herrschenden Theorie
diente, welche nicht etwa bloß den Vorzug vor dem fremden Rechte,
wie die Reichs-Kammergerichts-Ordnung v. I. 1594, auf die „red-
lichen, erbarn und leydlichen Ordnungen, Statuten und Gewon-
heyten" beschränkt wissen wollte, sondern „alle Constitution, Ord-
nung , Privilegia, Übung und langhergebrachten Gebreuche . . .
welcherlei) Gestalt die biß anhero. . . gehalten, gäntzlich und gar
auffgehoben und abgethan" zu erachten geneigt war. Verkannt hat
auch die Landesherrschaft die Räthlichkeit und Rothweudigkeit einer
solchen Gesetzgebung keineswegs, vielmehr schon bald nach der Mitte
des 16. Jahrhunderts die Abfassung eines Landrechts in Aussicht
genommen, und durch wiederholte Vorlegung von Entwürfen diesen

Exercitationes legales au den Kurf. Joachim Friedrich rühmt vor
allem deffen Bestreben, ut in dirimendis controversiis ea teneatur
judicandi ratio, quae rectae veraeque juris rationi Romanisque legibus
omni modo conveniat,

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