Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 6 (1841))

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LaöpeyreS:

Rechtsgewohnheit nachtheilig oder doch lästig war mJ. In den spä-
teren Landes - Verordnungen findet sich eben so wenig eine directe
Approbation so unbedingter Geltung des Römischen Rechts, vielmehr,
wie häufig auch darauf verwiesen wird, lassen sie entweder Ort und
Umfang seiner Rechtskraft unerörtert, oder bezeichnen es ausdrück-
lich nur als Subsidiar-Rechtm). Nicht selten kommen auch noch bei
den Märkischen Praktikern, namentlich bei Koppen, Verweisungen
auf die alten Sächsischen Rechtsbücher vor, so daß diese, wie über-
haupt in der gemeinrechtlichen Literatur jener Zeit, doch noch ge-
wissermaßen doctrinelle Autorität hatten, wie überwiegend auch, ins-
besondere bei Müller, der Gebrauch der Präjudicien wurde. Allein
mehr und mehr gewann jene irrige Ansicht in der Praxis die Herr-
schaft; so unumwunden erkannten trotz der Macht, welche auch über
diese das Herkommen und das im Leben unmittelbar sich kundge-
bende Bedürfniß übten, die angesehensten Juristen des Landes,
welche für die Rechtspflege als entscheidende Autoritäten galten,
eine unbedingte Gültigkeit des Römischen Rechts an, daß sie kaum
dieselbe zu rechtfertigen für nöthig erachteten , und so mußten

125) Sehr zu bedauern ist, daß Götze a. a. O. S. 10 über die wider
die mehrerwähnten Landes-Ordnungen ausgestellten Monita der
Stände, welche durchgängig auf Römisches Recht gegründet worden
waren, Näheres nicht mitgetheilt hat, sondern sich auf die Be-
merkung beschränkt, es sei der Einwand, man wolle das abgeschaffte
Sachsenrecht wieder einführen, nicht bloß beim Erbrechte, sondern
z. B. auch im Gesinderecht, in der Lehre von der cura sexus, im
Lehnrecht erhoben worden.
124) Mit der oben Note 57 u. 38 alleg. Verordn, vgl. die Landt.-Nez.
v. I. 1611. No. 18 (Mylius Th. VI. Abth. 1. S. 225), Deel,
v. 15. Juni 1654 (ebend. S. 415), das Proj. der K.G.O. v. I.
1643. Th. 2. Tit. 33. §. 1 (ebend. Abth. 3. S. 207), Publ. Pat.
der Landes-Const. v. 3> 1594 (ebend. S. 55).
125) Wie Scheplitz (s> oben Note 13) diesen Satz gleichsam an die
Spitze aller seiner Erörterungen über privatrechtliche Gegenstände
stellt, und dabei die Eingangs erörterten Const. und Rezesse ein-
fach zu allegiren für genügend erachtet, setzen die übrigen Märki-
schen Schriftsteller die absolute Geltung des Römischen Rechts als
sich von selbst verstehend voraus und gründen darauf ohne weite-
res ihre gesammte Argumentation: Kohl in der Dedication seiner

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