Full text: Volume (Bd. 6 (1841))

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Laspeyres:

Selbst im Erbrechte, für welches doch die Joachimica in so
bestimmt derogatorischer Weise das gemeine Recht als Norm bestä-
tigt hatte, ist dasselbe zu nichts weniger als ausschließlicher Geltung
gelangt. „Ein jeglicher, dem solches zu Recht gebühret", heißt es
dort, „mag nach Rechts Form einBekamen! machen", und die
Landesordn. v. I. 1594 bemerkt77), wie es „zu rechte sehr disputir-
lich, ob ein 'l'eMamoni oder letzter Wille, welches nach Gewohnheit
der Statuten desselben orts oder sonsten an (ohne) die zu rechte ver-
ordnetcnn Solcnnitäteu aufgerichtet, für krefftig gehalten werden
könne". Gleichwohl erklärt sie alle vor dem Cammergerichte vor
den Unter-Obrigkeiten auf dem Laude, vor dem Rathe und den
Gerichten der Städte, oder auch nur in Gegenwart des Pfarrers
und zweier Zeugen errichteten Dispositionen für gültig, und daß
überhaupt „die Velamenta und letzte Ordnungen voll nach eines
jeden orts oder Stadt Gewohnheit und Statuta gemacht werden
können, auch jederzeit bestendigk und krefftigk sein sollenn". Die
unbedingte Gültigkeit der Ehestiftungen, gleichviel ob sie über die
Successi'on oder Anderweitiges Dispositionen enthalten, erkennt die
Landes-Constitution an, „uuangesehenn was hierwieder die gemei-
nen Rechte von denn xaeti8 6otaIil)u8 verordnet habenn" 78); nicht
minder erhielt sich das althergebrachte Recht des überlebenden Ehe-
gatten zum Beisitz mit den Kindern, welche zwar bei etwaniger Ver-
heiratbung oder Etablirung aus dem gemeinen Gute eine, späterhin
zu conferirende Ausstattung, „so hoch ungefährlich, als Ir ange-
storbenes Erbtheil austraget", erhalten sollen, die wirkliche Theilung
aber nicht einmal bei Wiederverheirathung des überlebenden Ehe-
gatten, sondern nur einen s. g. Ausspruch zu fordern haben, wel-
cher „ins Rathsbuch verzeichnet oder sonst darüber glaubwürdige
Brieff und Siegelt aufgerichtet werden" sollen 79). Wie es endlich

'1. I. Cons. o5* Nr. 42. Scheplitz 1. 1. I\ Z. tit. 4- 1. Nr. 5.
Müller 1. 1. resol. 78. Nr. 11.
77) Landes-Conft. v. 1.1594. Thl. III. Tit. 27. Vgl. auch Koppe» 1.1.
Dec. 45. Nr. 4. §. 16.
78) Landes-Conft. v. J. 1594. Thl. III. Tit. l.
79) Cbend. Tit. 36 vgl. mit Landes-Ordnung v. I. 1572 Art. 8 wo
zu Rechtfertigung dieses Beisitzes das Römisch-rechtliche Riesi-
brauchsrecht des Vaters geltend gemacht wird, während die Cvnst.

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