Full text: Volume (Bd. 6 (1841))

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Wilda:

mung der Stände (Prälaten, Adel, Städte) der Mark Brandenburg
erlassenes Gesetz ,,Willkör," welches den Mißständen, die aus der all-
zu großen örtlichen Verschiedenheit der Erbrechte hervorgingen, durch
Vereinfachung abhelfen und an die Stelle der bis dahin gegoltenen
Gesetze, Privilegien und Gewohnheiten treten sollte. Es ist dadurch
das römische Recht die Grundlage des Erbrechtes geworden, doch in
Beziehung auf das Erbrecht der Ehegatten sind die deutschen in der
Mark geltenden Rechtsgrundsätze beibehalten worden; aber so, daß
diese durch das römische Recht hie und da modisicirt worden sind, wäh-
rend wiederum neben dem römischen Erbrechte sich manche Reste des
volksthümlichen Rechtes erhalten haben. Das Gesetz in diese seine
Bestandtheile zu zerlegen und zu erläutern, ist die Aufgabe des Ver-
fassers. Schwierig wird sie dadurch, daß die Ioachimica die beibe-
haltenen deutschen Rechtsgrundsätze nicht entwickelt, sondern mehr als
bekannt voraussetzt. Es entsteht nun die Frage: welche Rechte haben
in der Mark über die Güterverhältniffe der Ehegatten gegolten? Ein
Fingerzeig dafür enthält die Joachimische Constitution, indem sie das
halbe Gut an liegenden Gründen und fahrender Habe dem überleben-
den Ehegatten nach alter Gewohnheit zuspricht. Dies giebt dem Verf.
(was man freilich erst viel später verstehen lernt, da er eine ausführ-
liche Erörterung über magdeburgisches Recht gleichsam vom Himmel
fallen läßt) Veranlassung, aus einer sehr genauen Erforschung der Gü-
terrechte in den einzelnen brandenburgischen Städten und der Verglei-
chung mit dem magdeburgischen Recht nachzuweisen, wie in denselben
schon seit dem 12. Jahrhundert Regel geworden, daß dem überlebende
Ehegatte die Hälfte des Gesammtvermögens erhielt, so daß hier nach
des Verf. Ansicht die westphalische Erbfolge der Ehegatten Eingang
gefunden hatte, dagegen aber das Erbsystem der Ostphaler, welches
sich im Sachsenspiegel und im magdeburgischen Recht findet, fremd
geblieben war, jedoch in einigen Städten neben der Halbtheilung auch
eine dem magdeburgischen Rechte entlehnte Singularsuccession in Heer-
gewäte und Gerade herrschend geworden war, in andern eine Annähe-
rung an das lübische Recht, welches als eine besondere Fortbildung des
weftphälischen zu betrachten ist, stattgefunden hatte. Diese Untersuchungen,
welche einen großen Theil des Buches einnehmen, dürften auch als
das allgemein Interessanteste in demselben zu betrachten sein. Ein
Anhang giebt eine kurze Geschichte des brandenburgischen Schöppenstuhls,
der erst in jüngster Zeit definitiv untergegangen ist.
Dem Gegenstand nach sehr nahe verwandt, ist mit besprochenem
Buche der interessante Aufsatz von Laspeyres in dieser Zeitschrift (Bd. 6.
S. 1) über die Reception des römischen Rechts in der Mark Bran-
denburg u. s. w.
Am Schluß dieser Relation über die rechtsgeschichtlichen Schrif-
ten will ich noch, als dem germanischen Rechte in weiterm Sinne
angehörend, eines schwedischen Werkes um so mehr gedenken, als es

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