Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 6 (1841))

Uebersicht d. deutschrechtl. Schriften v. 1.1841. 385

Untersuchung in eine Darstellung der altdeutschen Gerichtsverfassung im
Ganzen zu verweben. Es ist das Wort Gerichtsverfassung im eng-
sten Sinne des Wortes zu nehmen, und man hat hier nicht eine Dar-
stellung des altdeutschen Gerichtswesens wie etwa in den Werken von
Maurer, wiewohl auch dieses noch das Beweisverfahren, die Rechts-
mittel der Berufung u. s. w. ausschließt, zu erwarten. Nachweisung
einer ursprünglichen Verschiedenheit von Herren- und Volksgerichte,
der mit diesen Gerichten vorgegangenen Veränderungen und spateren
Verschmelzung laßt sich gewissermaßen als das Hauptthema bezeichnen.
Der Verfasser bewahrt sich als ein Gründlichkeit anstrebender junger
Forscher, und es würde seine Leistung als eine schatzenswerthe Berei-
cherung unserer germanistischen Literatur anzusehen sein, wenn das,
was sie an haltbaren Ergebnissen enthalt, etwa in einer ausführlichern
Abhandlung dargelegt, und der Verfasser sich auf seine ursprüng-
liche Aufgabe beschrankt hatte. Für einen, gänzlich verfehlten Versuch
muß ich es aber halten, wenn der Vers, den angelsächsischen Frithborg
(über welchen ich meine Ansicht neuerdings im Strafrecht der Germa-
nen S. 68 entwickelt habe, worunter er aber eine Einigung zur Er-
haltung des Friedens von 10 Freihöfen versteht, von denen jeder in der
Gemeindeversammlung durch das Familienhaupt vertreten wird) als die
Grundlage der deutschen Gemeinde- und Gerichtsverfassung ansehen
und viele Einrichtungen der letztern daraus ableiten will. So z. B. die
sieben Urtheiler (Rath und Bürger Schöffen) in deutschen Gerich-
ten. Es ist dies zu charakteristisch^, als daß wir es nicht mittheilen
sollten. Diese Urtheiler, sagt er (<L. 113), nämlich sind nichts anders
als die Familienhäupter des Frithborgs, neben welchen die übrigen
Freien und unabhängigen Familienglieder den Umstand bildeten; denn
wenn Einer von den Zehn das Haupt der Zehnschaft war, zwei An-
dere, jeder als Vertreter der Partei, die seiner Familie angehörten, auf-
traten, so bleiben — gegen die Rechnung wird niemand was einzu-
wenden haben — grade sieben Urtheiler übrig. — Unglücklicherweise
läßt sich aber keine Spur von 7 Urtheilern bei den Angelsachsen, von
denen der Verf. doch vorzugsweise den Frithborg herholt, Nachweisen,
eben so wenig bei vielen andern deutschen Stämmen. Diese Sieben-
zahl scheint besonders fränkisch gewesen zu sein, und wie man es all-
gemein annimmt, aus der Zwölfzahl, — welche die allgemein germa-
nische für die Urtheiler, für die Eidhelfer u. s. w. gewesen ist — wo-
von 7 die Mehrheit, die zu einem Urtheil gehörte, bildete, entstanden
zu sein. Diese Zwölfzahl der Urtheiler als eine germanische, die Ent-
stehung der 7 aus 12 läugnet der Verf. (S. 188) seinem Frithborg
zu Liebe. Erst nachmals sollen aus sieben zwölf geworden sein. Wie
dieses aber geschehen, muß man im Buche Nachsehen, es ist mir nicht
hinlänglich klar geworden.
Das Gebiet des altdeutschen Beweisverfahrens berührt vielfach
eine durch Reffe und Abgerundenheit der Forschung, Klarheit der Auf-
Zeitschrist f. deutsches Recht. 6. Bd. S?. 2. 9 c

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