Full text: Volume (Bd. 6 (1841))

378

Wilda:

II. Das Idaturrecht und die Gesetzgebungswiffenschaft.
Die bedeutendste Erscheinung, welche zwar das Naturrecht noch
nicht mit umfaßt, aber schon die Grundlagen für dasselbe enthalt, ist:
System der speculativen Ethik, eine Encyclopadie der
gesammten Disciplinen der praktischen Philosophie von Dr. I.
H. Wirth. Erster Band. Reine Ethik. Heilbronn b. C.
Drechsler. XU. 1196 S.
Es ist hier vom Standpunkte der Hegelschen Philosophie auf eine
Fort- und Umbildung der Rechtsphilosophie, nach welcher die Mora-
lität, deren Stellung zwischen dem abstrakten Recht und der Sitt-
lichkeit so vielen Anstoß erregt hat, nicht mehr als ein Kapitel der
Rechtsphilosophie erscheinen soll. Die Ansicht des Vers. möchte sich
durch Hervorhebung folgender Satze andeuten lassen: ,,Das Wort
Ethik ist hier in seinem wahrhaften, antiken Sinn genommen, in
welchem es die Moral und die Rechtslehre in sich begreift. Wenn wir
diesen Titel wählen, so wollen wir damit andeuten, daß wir weder die
Entgegensetzung, noch die Einigung von Moralität und Recht, welche
die Philosophie bisher versucht hat, anerkennen."-,,Denn weil
die moderne Philosophie als die letzte und allein wahre Sittlichkeits-
sphäre das objective Rechtsganze erkennt, in der Moralität aber das
Element einer substanzlosen, für sich in Willkür und Heuchelei enden-
den Subjectivität sieht, so setzt sie den Geist der Sittlichkeit nicht als
absoluten, sondern nur als besondern Volksgeist, als endlich, zwischen
das absolute Wissen des Geistes von sich aber und dieses blos endliche
Wollen den härtesten Widerspruch."
Ueber das Natur recht von Dr. A. Möhl, Bezirkrichter
in Frankenthal. Mannheim b. Götz. VIII und 83 S.
ist eine fast ganz aus Stellen der verschiedenartigsten Autoren bunt durch
einander gewebte und von Citaten aller Art strotzende kleine Schrift, deren
Vorrede verkündet, daß der Vers, beweisen wolle, „daß das Rechtsgesetz
das Sittengesetz selbst sei" und an deren Schluß er sagt, „er habe zu
erweisen gesucht, daß zwischen Moral und Recht ein inniger Zusammen-
hang bestehe, und daß dieser auch vom positiven Recht aner-
kannt sei."
Das Auftreten von Stahl in Berlin hat seiner Zeit außer man-
chen Zeitungsrelationen, die es mit der Wahrheit nicht immer genau
nahmen, auch zwei kleine polemische Schriften veranlaßt:
KritischerBericht überProfessorStahl's zwölf erste
Vorlesungen an der Universität Berlin über das Naturrecht" v.
C. M.Wolff, Kammergerichtsassessor. Berlin b. Dümmler. 35 S.
Die Rechtsphilosophie Stahls unddiehiftorische
Fürstenschule. Eine kritische Würdigung der vom K.G. A.
Wolff wider beide gerichteten Angriffe von Dr. A. Weniger.
Berlin bei Hirscbwald. 38 S. 8.

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