Full text: Volume (Bd. 6 (1841))

Das Erbrecht der adelichen Töchter. 231.
hiernach nicht nothwendig zu Begründung des Ausschlusses; der Ver-
zicht auf die übrige Erbschaft des Vaters, der Mutter u.s.w. aber
steht unter der allgemeinen Regel der Erbverträge133), ist also frei-
willig und keine erzwingbare Handlung. Jene neueren Gesetze be-
stätigen also den Unterschied, welchen wir oben gemacht haben.
Rach allem Bisherigen glaube ich meine Ansicht über das Erb-
recht der adelichen Töchter, so wie über den Umfang und die Be-
deutung der Tochter-Verzichte im Allgemeinen dahin abgeben zu
können:
l) Die adelichen Töchter sind in der Regel nur von der Nach-
folge im Stammgute ausgeschlossen; dieser Ausschluß folgt aus
dem Begriff des Stammguts von selbst und findet statt, auch ohne
vorausgegangenen Verzicht, und zwar nicht blos zum Besten der
Brüder, sondern auch der übrigen Verwandten vom Mannsstamm
(der sogenannten Agnaten oder Stammvetter), soweit solche von
den Stiftern des Stammguts abstammen oder in der Stt'ftung aus-
drücklich bedacht sind. Die Stammgutseigenschaft kann aber aus
dem Vorkommen von Töchter-Verzichten allein nicht geschlossen wer-
den i34). Ist es zweifelhaft, ob die Güter, um deren Beerbung es
sich handelt, zu den Stammgütern gehören, so spricht die Vermu-
thung gegen die Stammgutseigenschaft 135). Von dem übrigen vä-
terlichen oder brüderlichen Erbe, so wie von der mütterlichen und
schwesterlichen Erbschaft sind die adelichen Töchter nur ausgeschlos-
sen, sofern verbindliche Familiengesetze ihnen im Wege stehen oder
sie darauf besonders verzichtet haben. Dieser Ausschluß findet aber

Stifter erklärt ist, ohne eine besondere Successionsordnung für di«
kognatische Folge vorgeschrieben zn haben.
153) Obgleich nach dem östr. Gesetzbuch §. 602 Erbverträge blos unter
den Ehegatten gültig seyn sollen, wird doch der Erbverzicht allge-
mein gestattet, das. §. 551. Das preuß. Landrecht I, 12. §. 650
gestattet zwar Erbverzichte zu Gunsten eines Dritten nur alsdann,
wenn der Erblasser dem Vertrage als Mitcontrahent ausdrücklich
beitritt. Doch findet diese Vorschrift ans Familienverträge, welche
sonst gültig geschlossen sind, keine Anwendung. Das. §. 655.
131) S. oben S. 296. v. Salza und Lichtenau von Stamm- und
Geschlechts-Fideicommissen §. 16.
>55) Kerner, reichsritterschaftliches Landrecht S. 96.

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