Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 6 (1841))

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Das Erbrecht der adelichen Töchter.
neu, ist zwar von Gramer69), Pütter und Andern unrichtig aus
dem alten deutschen Rechte zu beweisen gesucht worden; auch ward
damit von Gramer die heillose Lehre von der Regredienterbschast
und von Pütter die in ihren Folgerungen nicht minder anstößige
Lehre von einer successio ex pacto et providentia majorum in
Verbindung gebracht; allein das Verdienst muß jenen Schriftstellern
bei aller Uebertreibung ihrer Lehrsätze gelassen werden, daß sie auf
den nothwendigen Unterschied zwischen dem Stammgute und der
übrigen Verlassenschaft hinsichtlich des Erbrechts der Töchter hinge-
wiesen haben. Der Fehler in ihrer Auffassung lag also nicht darin,
daß sie dem Verzicht eine zu breite Unterlage gegeben, sondern daß
sie ihn zunächst auf das Stammgut bezogen haben, worauf er als
solches der Regel nach gar nicht bezogen werden sollte.
Wir kehren zurück zu der Frage über die Bedeutung des Ver-
zichts. Daß die Verzichte der Töchter in der Regel etwas Frei-
williges seien und blos daraus, daß die Männer die Weiber fae-
tisch ausgeschlossen haben, auf die Gewohnheit, daß diese von Rechts-
wegen schon ausgeschlossen seien, nicht zu schließen sei, wenn
nicht zu gleich bewiesen werde, daß sie vermöge jener Gewohnheit
ausgeschlossen worden, haben auch die Juristen des 17. Jahrhun-
derts schon behauptet70).
Wir müssen indessen bei den Ansichten dieser Zeit wieder näher
verweilen, weil Eichhorn 8.540 u. 569. folgerichtig zu seiner ge-
schichtlichen Erklärung meint, die Praetiker hätten sich durch ihre
romanisirende Richtung verleiten lassen, den Verzichten allzuviel
Gewicht beizulegen n). Zunächst müssen wir die Schriftsteller des

69) Opuscula tom. V. Der größere Theil dieses Bands ist mit Ab.
Handlungen in dieser Richtung ansgefüllt, s. namentl. S. 1 — 35.
55-158. Daß Cr am er bei der Controverse über die Regre-
dienterbschaft das deutsche Recht als abgekommen und das römische
Recht als Regel zu beweisen suchte, ist bekannt.
70) Nie. Betsius tract. de statutis, pactis et consuetudinibus tam. illustr.
et nob. cap. 8. §. 30. (Ed. Schilteri p. 272) — in consuetudine
excludente foeminas, non sufficere probare, masculos exclusisse
foeminas, nisi quoque probetur, quod excluserint vi illius con-
suetudinis.
71) In einer andern Beziehung war diß allerdings später der Fall,
indem aus der Verzichts -Clausel: „auf ledigen Anfall" das Regre-

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