Full text: Volume (Bd. 6 (1841))

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Reyscher:

des Schwabenspiegels, welcher nicht blos im südlichen Deutschland,
namentlich in Schwaben und Elsaß, Franken, Baiern und am Rhein-
strom, sehr verbreitet war, sondern, wie es scheint, durch das Wöl-
fische Haus auch nach Norddeutschland verpflanzt worden52). Daß
andererseits der Schwabenspiegel, indem er das weibliche Erbrecht
weiter stellt, als der ihm vielfach verwandte Sachsenspiegel, hierin
durch römisches Recht bestimmt worden sei, ist nicht anzunehmen,
da das Erbrecht des Schwabenspiegels von dem römischen durch-
aus abweicht. Das göttliche Recht aber schien dem Verfasser des
Schwabenspiegels mit dem Vorzug des Mannsstamms so wenig in
Widerspruch zu stehen, daß vielmehr die Rechtfertigung desselben
(und zwar in der Ausdehnung, wie er in dem alemannischen Rechte
begründet war), aus der mosaischen Satzung hergeholt und dem
milderen Rechte des Schwabenspiegels (gleichsam zur Beruhigung
der Töchter) an die Seite gestellt wird 53). Dagegen liegt der Zu-
sammenhang mit dem alten alemannischen Rechte und den späteren
Stadtrechten sehr nahe. Ward nun aber das Erbrecht der Töchter
einmal in größerem Umfange anerkannt, indem dieselben nicht blos
an der Fahrniß, sondern auch an der Liegenschaft, mit Ausnahme
des Ansiedels, theilnehmen sollten, so konnte dasselbe im einzelnen
Falle nur durch einen freiwilligen Verzicht geschmälert oder aufge-
hoben werden, und das kanonische Recht54), wiewohl nach- demsel-

52) S. meine Vorrede zur Laßbergischen Ausgabe S. XXV.
53) Laßb. Ausg. cap. 148. c.: Moyses hvnte got die sache, got ant-
wvrte alfo: ich wil daz ob ein menfche fterbe, une fvn, daz fin
erbe siner tohter werde, vnd hat der mensche weder fvne noh
tohter, fo erbet fin bruder, vnd hat er niht bruders, fo erben fine
vetern, hat er niht vetern, fo erbet ie der naehfte vor (von) mater
inagen. Bergt. Moses IV (Numeri) cap. 27. 56, wo von dem
Erbe des Selofchad «nicht 8asalphar, wie bei Laßb.) die Rede ist.
Daß die Verwandten von des Vaters Seite (Vatermagen) den
gleich nahen Muttermagen der Regel nach vorgehen (Laßb. §. 275)
steht ganz in Uebereinstimmung mit cap. 59 u. 148 a- Dagegen
muß die Lehre von der Theilung zwischen Vater - und Mutterma-
gen, welche cap. 148° gegen das Ende eingeschoben ist, als fremd
(c. 13. §. 2. de legit, haered.) bezeichnet werden, wie dieß denn
auch nicht undeutlich in der Stelle selbst zu erkennen gegeben ist.
54) cap. 2 de pactis in VI'".

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