Full text: Volume (Bd. 6 (1841))

Das Erbrecht der adelichen Töchter.

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in der Annahme, daß das römische Recht schon im 13. Jahrhundert
ausgenommen worden und durch seinen Gegensatz zu dem heimi-
schen Recht die Verzichte hervorgerufen habe. Nachdem diese bei-
den Vordersätze aufgehoben sind, kann auch der Schlußsatz nicht mehr
gehalten werden.
Bleiben wir bei unserer geschichtlichen Ansicht stehen, wonach
die Erbverzichte ursprünglich allerdings eine Bedeutung hatten, näm-
lich die wirklicher Erbabfertigungen, so Müßte, wenn sie diese Bedeu-
tung in der Folge verloren haben sollten, eine Veränderung in dem
Erbrecht der Töchter vorgegangen sein, wonach sie schon von Rechts
wegen von aller Erbfolge mit den Brüdern und Stammvettern aus-
geschlossen worden wären. Allein die Nechtsgeschichte weift gerade
auf die entgegengesetzte Erscheinung hin, indem nämlich das Erb-
recht der Weiber mehr und mehr erweitert, nicht beschränkt wurde.
Ein sprechendes Zeugniß hiefür ist das oben angeführte schwäbische
Landrecht, welches die Töchter im Verhältniß zu den Söhnen nur
von dem Ansedel ausschließt. Bereits eine völlige Gleichstellung
von Sohn und Tochter enthält, wie wir bemerkt haben, das Kai-
serrecht (esx. 13 und 14), welches namentlich in den früheren
Ländern des fränkischen Rechts zur Anwendung kam 46) und das
Ruprechtssche Rechtsbuch, welches in Baiern benützt wurde. Wie
diese beiden Rechtsbücher als Nachbildungen des Schwabenspiegels
die Nechtsveränderung im südlichen Deutschland Nachweisen, so sind
der vermehrte Sachsenspiegel und das s. g. schlesische
Landrecht (Landrecht des Fürstenthums Breslau), welche an den
Sachsenspiegel sich anschließen, Zeugnisse für die fortgeschrittene
Rechtsansicht im Norden. Zwar gibt noch das oft friesische Land-
recht, Buch H. cap. 85, dem Bruder einen Vorzug vor der Schwe-
ster, indem er dieser ihren Theil der Lande anweisen darf „buten
den Hert", das heißt außer dem väterlichen Wohnsitz47), welchen

Pflichtet ihm bei. Siehe dagegen Mittermaier, Grundsätze des
deutschen Priv.R. §. 457.
46) Mittermaier Grundsätze des deutschen Privatrechts §. 9.
47) Ueber die verschiedenen Bedeutungen des Worts s. Wicht in der
Ausgabe desLandrechts S.392. Anm. n. Von Richthofen, frie-
sisches Wörterbuch, voce Hirth, ist auf obige Stelle noch keine Rück-
sicht genommen. Indessen ist nicht zu zweifeln, daß die allgemeine

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