Full text: Volume (Bd. 6 (1841))

240 Abtheilung und Abschichtung der Kinder
Antrag der Kinder theilen muß. Auch kann es nicht auffallen, daß
eine solche Verschiedenheit zwischen Mann und Frau statt findet,
da ja in jeder Hinficht die Frau und Wittwe beschränkter ist, als
der Mann und Wittwer; fie muß Vormünder bestellen lassen, I, 7,
12; darf nicht veräußern II, 2, 8; muß Assistenten und Curatoren
haben, ohne die sie nicht gerichtlich auftreten kann, l, 7, 12. Es
war deßhalb allerdings für die Kinder von großem Vortheil, hin-
sichtlich ihrer ideellem Antheile am Vermögen nicht mit den Be-
schränkungen der überlebenden Mutter unterworfen zu sein. Daß
von der Wittwe aber eine Abschichtung, und nicht nur eine Abthei-
lung, gefordert werden konnte, folgt daraus, daß die Abschichtung
nach älterm L. R. das Gewöhnliche war, die Abtheilung erst all-
mählig aufkam, und nur für die bestimmten Fälle, die gleich unten
erörtert werden.
Fast einstimmig hält man außerdem den überlebenden parens,
nicht nur die Mutter, sondern auch den Vater zur Abschichtung ver-
pflichtet im Fall der Verschwendung und Vermögenszer-
streuung 6). Das Hamburger Stadtrecht III, 3, 3 u. 5 enthält
freilich diesen Fall, aber im L. R. ist er weder in den älteren Codices
noch im revidirten N. enthalten, und wir sind um so weniger be-
rechtigt, ohne gesetzliche Vorschrift dieß anzunehmen, da durch andere
gesetzliche Bestimmungen der, aus der Verschwendung für die Kin-
der möglicherweise entstehenden, Vermögenöbeeinträchtigung vorge-
beugt ist. Zufolge I, 7, 6 sollen nemlich Verschwender ihrer Güter
unter Vormundschaft gestellt werden, das würde auch hier der Fall
sein müssen, so daß die Kinder keinen Schaden leiden, der Vater
aber den Genuß der Einkünfte behält, und, falls er aus der Vor-
mundschaft entlassen wird, die Verwaltung wieder übernehmen und
die communio prorogata fortführen kann, was, wäre einmal abge-
schichtet, nicht mehr möglich ist. Dennoch, obwohl weder Gesetze
noch die Vernunft für diesen Abschichtungsgrund sind, hat die Praxis
ihn allgemein eingeführt.
Ferner behaupten Viele, daß mündige Kinder Abschichtung
fordern könpten; ihnen steht aber nur, wie gleich gezeigt werden
wird, ein Recht auf Abtheilung zu.

6) Stein II, 5. 206, Carstens II, S- 20.

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