Full text: Volume (Bd. 6 (1841))

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Wunderlich:

nerer Grund für die Annahme dieser Bestimmung, da derzeit nach
der Ehegerichtsordnung das uneheliche Kind selbst in die Lage ver-
setzt werden kann, die Großeltern zu beerben, nicht abzusehen ist.
Und so ist es dann auch von selbst klar, daß von einer Ausdehnung
des Rechts der Concubinenkinder ans den väterlichen Nachlaß in
Basel in keiner Weise die Rede sein kann.
Kinder ersten Grades erben auch hier nach Kopftheilen, die
entfernteren dagegen — insofern sie nach der bisherigen Entwicke-
lung überhaupt ein Erbrecht haben — nach Stammtheilen; doch ge-
langen die letztere nur dann zur Perception, wenn sie unmittelbare
Descendenten geworden sind. Also ganz adäquat den Römischen
Grundsätzen, jedoch mit folgenden Ueberbleibseln des Deutschen
Rechts:
») Unmündige und unerzogene Kinder sollen einen Voraus genie-
ßen im Fall der Concurrenz mit erwachsenen und erzogenen;
eine Bestimmung, welche nur dann nicht zur Willkühr führt,
wenn die Eltern genaue Rechnung über die Kosten der ein-
zelnen Kinder halten.
6) Knaben sollen des Vaters Kleider, Kleinodien, Leibsangehör-
den und Gewehr; Töchter jene der Mutter erhalten. 8. 592.
Diese Bestimmung ist aus einem Rechtserkenntniß, Mittwoch
vor Mäthäi 1506, bestätigt 1646 20) geflossen, wo jedoch statt
des Gewehrs noch Roß und Harnisch genannt werden, auch
der Zusatz der Gerichtsordnung, daß Beides an Werth in
Proportion stehen müsse, sich nicht findet. Es ist dieses ein
Ueberbleibsel des Heergeräths und der Gerade, jedoch in mo-
dificirter Gestalt.
c) Das Recht der Prärogation auf Bibliotheken und Handwerks-
zeug nach Schätzung für die Söhne. K. 595. 596.
II. Zn der zweiten Klasse erben Vater und Mutter mit Aus-
schluß aller ferner» Verwandten. Dieses Vorrecht vor den Ge-
schwistern hat sich aus dem Deutschen Recht erhalten, wo Vater und
Mutter in der zweiten Parentel alle Uebrigen ausschließen. Im Fall
einer Einkindschaft können hier auch die gemachten Väter und Mütter
eine Stelle einnehmen, 8. 486. Die Vertheilung geschieht nach Kopf-
theilen.

20) Frey §.7i.

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