Full text: Volume (Bd. 6 (1841))

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Wunderlich:

nächsten weiblichen Verwandten bei dem Tode eines jeden Weibes
(Niftelgerade) succedirten, noch Ueberbleibsel in der Gerichtsordnung
8. 592, wiewohl nicht in der ursprünglichen Reinheit, welche sich
anderwärts behauptet hat.
Die Ansicht aber, daß das Erbrecht der Seitenverwandten in
einem gewissen Grade, dem 4. 5. 6 oder 7 deutscher Computation,
erlösche, und welche darauf beruht, daß die Verwandtschaft im juri-
stischen Sinn überhaupt nur so weit reiche, ist in Basel unbekannt.
Dasselbe gilt von dem sog. Fallrecht, einer schon in älterer Zeit
nur partikularrechtlichen Erscheinung, daß bei der Snccession der
Ascendenten oder Seitenverwandten die von väterlicher Seite ererb-
ten Immobilien an die väterlichen Verwandten, die von mütterlicher
Seite an die mütterlichen fallen sollen. Dasselbe wird sogar aus-
drücklich verworfen: 8. 598. „ohne Unterscheid, woher gleich solche
Güter gekommen": §. 600. „auch des Unterscheids, ob die Güter auf
den Verstorbenen von Vätter- oder Mütterlicher Linien hero gefallen
seyn, nicht geachtet werden."
Von Bedeutung dagegen sind für die Basler Zustände die
Grundsätze des ältern deutschen Rechts über uneheliche Kinder. Diese
gehörten nicht allein nicht zu der Familie des Vaters, sondern auch
nicht zu der der Mutter, und beerbten mithin beide und beider Ver-
wandten nicht, wurden aber auch der Regel nach nicht von ihnen
beerbt. Ihr Nachlaß fiel beim Abgang eigener Descendenten ver-
möge des Bastardrechtes an den Fiscus, wie solches auch 8. 443.
der G.O. anerkannt ist, wo ihnen die Vefugniß zu testiren abge-
sprochen wird. Heutzutage aber bildet der Grundsatz, daß im Ver-
hältniß zur Mutter und deren Verwandten die unehelichen Kinder
den ehelichen gleich stehen, die Regel: doch beerben sie hie und
da, und auch hier noch jetzt, die letzteren nur bedingungsweise^).
Andererseits hat der römische Grundsatz über liberi nawrsleg, auf
alle unehelichen Kinder ausgedehnt, den letzteren ein Erbrecht in dem
Nachlaß des Vaters in der Art, wie die ersteren es hatten, ver-
schafft. Eine constante Praxis scheint jedoch hierüber nicht vorhan-
den zu sei«.
Unbekannt waren endlich dem älteren deutschen Recht die In-
stitute der Legitimation und Adoption. Die Legitimation durch nach-

8) Ehe-G.O. §. 91. Ges. vom io. Dez. 1809.

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