Full text: Volume (Bd. 6 (1841))

reformiere Kirchenverfaffung.

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Zeit von ihr selbst erwählt. Ein Fortschritt im Sinne reformatori-
scher Principien ist denn die Ausbildung des Wahlrechtes der Ge-
meinden auch für Pfarrstellen, wie sie sich in den neuesten Verfas-
sungen einzelner reformirter Cantone findet^).
R Der kirchliche Lehrstand, ein ursprünglich kirchliches In-
stitut, nimmt auch in der reformirten Kirchenverfassung eine bedeu-
tende Stellung ein. Zwar kommt ihm weniger eine Gewalt, eine
Macht, als vielmehr ein Dienst zu 21). Aber er ist voraus nicht
Diener der Staatsgewalt, sondern Diener Gottes und der
Kirche. Seine Thätigkeit ist dem Wesen nach nicht eine staatliche,
sondern eine kirchliche; die Lehre, deren Verbreitung ihm obliegt,
beruht nicht auf menschlichem Wissen, sondern auf göttlicher Offen-
barung; die Sacramente, welche er verwaltet, sind nicht Ilnord-
nunflett eines weltlichen Gesetzgebers, sondern Stiftungen Christi.
Daneben allerdings ist der reformirte Pfarrer in gewissem Sinne
auch ein Diener des Staates, insofern nämlich als die äußer-
liche Bestellung und Unterordnung seines Amtes eingefügt ist in der
allgemeinen Staatsordnung, in welcher auch die Kirche ihre äußer-
liche Einheit findet.
Die verfassungsmäßige Bedeutung des Lehrstandes äußert sich
vornämlich in gedoppelter Richtung; einmal indem die kirchlichen
Aemter aus ihm besetzt werden, zweitens indem er in der Synode
sich versammelt. Von den kirchlichen Aemtern, insbesondere dem
vorzüglich wichtigen Pfarramte, haben wir im Zusammenhang mit
den Kirchgemeinden theilweise gehandelt. Der Pfarrer bildet mit
der Gemeinde vereinigt erst die wahre Kirchgemeinde. Er ist in
derselben, wenn auch durchaus nicht der ausschließliche, doch der
vorzügliche Träger der Lehre, der Verwalter der Seelsorge. Er
ist zwar nicht das Haupt und der Herr der Gemeinde,. aber ein
wichtiges, vom kirchlichen Gesichtspunkte aus betrachtet, selbststän-
diges Glied der Gemeinde, mit einer eigenthümlichen Stellung der
20) Verfassung des Cantons Zürich §. 85 : ,,Die Pfarrer und Helfer
der Gemeinden werden auf einen Dreiervorschlag des Kirchenra-
thes ans der Zahl der in das Zürcherische Ministerium aufgenom-
menen Geistlichen von der Kirchgemeinde erwählt."
21) Erste Helvetische Confession: I'a (potestas ministerialis) ministerio
quam imperio similior est.
Zeitschrift f. deutsches Recht. 6*Vd, •£>. 1.

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