Full text: Volume (Bd. 6 (1841))

Stellung der ehemaligen Reichs-Ritterschaft. 141
gründet und um so weniger dem Resultate der Verhandlungen der
Vorwurf der Inkonsequenz oder gar der Rechtswidrigker't gemacht
werden. Von dem entgegengesetzten, unsers Erachtens richtigen
Gesichtspunkte aus würde dagegen immer nur bei absoluter Gleich-
heit zwischen beiden Klassen der Mediatisirten jenes Argument ohne
weiteres als ein „folgerichtiges" erscheinen; eine solche Gleichheit
aber ist in Abrede zu nehmen, man möge die früheren standes-
und staatsrechtlichen Verhältnisse jener Personen, als deren Folge
und Ueberbleibsel die jetzigen Vorrechte derselben sich darstellen, oder
die in der Rheinbunds- und Deutschen Bundes-Acte der einen und
der andern Klasse ertheilten Zusicherungen ins Auge fassen. Rur
ihrer rechtlichen Bedeutung überhaupt nach stehen sich die
Privilegien beider Klassen einander gleich, in wte fern nämlich frü-
her den Standesherren alle, der Ritterschaft die meisten Regalien
zukamen, und von diesem regattschen Besitze die jetzigen Vorrechte
datiren, in wie fern andrerseits beiden Theilen ein von der Landes-
Gesetzgebung völlig unabhängiger, in der Bundes-Acte gleicher
Weise begründeter Rechtsanspruch auf gewisse Privilegien zukommt.
Hingegen was Art, Umfang und Inhalt dieser Bevorrechtung
betrifft, so ist eine Differenz evident, und der einen Klasse werden
an sich gewisse Rechte, und zwar unabhängig von der Landes-Ge-
setzgebung und unbedingt nothwendiger Weise, wohl zustehen kön-
nen, auf welche die andere Klasse einen Rechtstitel überall nicht
hat, sondern nur durch Zugeständniß, also aus freiem Belieben der
Landesherrschaft einen Anspruch gewinnen könnte. Das bloße
Factum, daß den Standesherren ein oder das andere Privilegium
verliehen sst und zukommt, entscheidet daher für sich allein gar nicht,
wenn schon es dann nichts weniger als unerheblich ist, wenn sich
Nachweisen läßt, daß diejenigen inneren Gründe und äußeren Um-
stände, in Folge deren, der mangelnden ausdrücklichen Zusicherung
ungeachret, ein solches Vorrecht den Standesherren, und zwar nicht
aus Gunst und freiem Belieben, sondern wegen desfalls begründe-
ten Rechts-Anspruchs, zugestanden worden ist, in ganz gleicher
Weise und Stärke bei denjenigen Familien und Gütern vorliegen,
welche der ehemaligen Reichs-Ritterschaft angehören. Nur unter
dieser Voraussetzung und auf Grund eines solchen Nachweises wird
eine Schluß-Folgerung von den Standesherren auf den Reichs-Adel
gestattet, vollends aber ohne alles Gewicht die bloße Zweckmäßig-

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