Full text: Volume (Bd. 6 (1841))

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Laöpeyres:

Bestärkung gedient, so daß deren Herrschaft setzt fast als unbcstrit
len erscheint; und doch kann cs, wie wir glauben, bei unbefangener
und allseitiger Prüfung keinem Zweifel unterliegen, daß di? Recep-
tion des römischen, das Schicksal des einheimischen Rechts in der
Mark kaum in untergeordneten Punkten von dem Gange abweicht,
welchen in andern Territorien Deutschlands die Rechtsbildung und
Gesetzgebung seit dem Anfänge des sechszehnten Jahrhunderts ge-
nommen hat.
8. 2.
Bei historischen Untersuchungen ist allerdings, soweit es sich nicht
um Auffassung und Erklärung erwiesener Thatsachen, sondern um
deren Feststellung selbst handelt, auf allgemeine Argumentationen
und Analogieen nur geringes Gewicht zu legen, und die Verglei-
chung mit andern Ländern und mit ähnlichen Ereignissen derselben
Zeit kann wenig entscheiden. Leugnen aber läßt sich nicht, daß es
eine in aller Weise auffallende Erscheinung wäre, wenn wirklich die
Märkischen Stände einmüthig das römische Recht als fortan all-
einige Rechtsquelle recipirt, und selbst aus freiem Entschlüsse für-
alle und jede Verhältnisse des öffentlichen und Privatlebens den
althergebrachten Rechtszustand beseitigt hätten. Bekannt ist es ja,
wie gerade Ritterschaft und Städte fast überall laute Klagen erhoben
haben, seit die gelehrte Jurisprudenz in die oberen Gerichte und in
den Rath der Fürsten gedrungen war, und Rechtspflege wie Gesetz-
gebung überall nur den Maaßstab des römischen Rechts anlegen
wollte ir). Um so mehr wird daher der strengste Beweis gefordert
werden dürfen, daß es sich wirklich so verhalte, zumal über jene
vermeintlich gänzliche Abschaffung des einheimischen Rechts die gleich-
zeitigen Geschichtschreiber schweigen, auch die Acten über die Funda-
tion des Kammergerichts durchaus nichts von Verhandlungen mit
den Ständen enthalten, und hieraus auf deren unbedingte Bereit-
willigkeit zu diesen so durchgreifenden Aenderungen zu schließen 18),
offenbar viel gewagter ist, als die Annahme, daß es sich mit der

17) Eine Zusammenstellung desfalsiger, freilich ziemlich erfolgloser Be.
schwerden und Anträge findet sich in Kraut's Grnndrisi zu Vorles.
über das deutsche Privatrecht 2te Ansg. Gott. 1839. §. 27.
18) Dies geschieht von Schölt) a. a. O. S. 4, welcher auch die obige
Notiz über die Acten des Archivs mittheilt.

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