Full text: Volume (Bd. 6 (1896))

27.1.9. Rechtsbehelfe des Käufers bei Mangelahftigkeit der gelieferten Waare wenn die Mangelhaftigkeit erst während des Transports eingetreten ist. Ist der Käufer berechtigt, die ihm vom Verkäufer zum Ersatz angebotne Lieferung anderer, vertragsmäßig beschaffner Waare abzulehnen?

Kauf, Mängel, Ersatzwaare. 697-
Nechtsbchclfe des Käufers bet Mangelhaftigkeit der gelieferten Maare
wenn die Mangelhaftigkeit erst während des Transports eingetreten
ist.: Ist der Käufer berechtigt, die ihm vom Verkäufer zum Ersatz an-
gcbotne Lieferung anderer» vertragsmäßig beschaffner Maare abzulehnen'k
L.G. Leipzig, Civ.K. II. Urtheil v. 5. Dezember 1895, Dg. II. 224/95.
Der Beklagte, etn in Leipzig wohnender Obst- und Südfruchthändler, hatte
bei dem in Frankfurt a./M. wohnenden Kläger eine Partie eingemachte Gurken
bestellt. Eine bestimmte Lieferzeit war nicht vereinbart worden. ■
Am 7. Februar 1895 hat der Kläger von seinem Wohnort aus eine der
Bestellung entsprechende Sendung Gurken an den Beklagten abgehen lassen; diese
ist jedoch zufolge der damals herrschenden Kälte in Leipzig mit eingefrorenen Gurken
und zerplatzten Büchsen angekommen. Der Beklagte hat dies dem Kläger recht-
zeitig angezeigt und ihm die Gurken zur Verfügung gestellt. Der Kläger seiner-
eits erklärte sich bereit, die Sendung zurückzunehmen und stellte-die Zusendung-
andrer Gurken in Aussicht. Hiergegen verwahrte sich jedoch der Beklagte in einem
Briefe vom 18. Februar 1895. Kläger erwiderte: er sei mit einer vom Gegner
etwa beabsichtigten Auflösung des Kaufvertrags nicht einverstanden und werde,
sobald Thauwetter eintrete, dem Beklagten andere Gurken senden. Demgemäß hat
der Kläger auch, nachdem die ersten Gurken an ihn inzwischen zurückgeschickt worden
waren, dem Beklagten am 7. März 1895 eine der ursprünglichen Bestellung
genau entsprechende zweite Sendung Gurken zugehen lassen, deren Annahme vom
Beklagten jedoch verweigert worden ist.
Der Kläger erhob Klage auf Bezahlung des Kaufpreises. Der Beklagte
bestritt, hierzu verpflichtet zu sein. Er machte in thalsächlicher Hinsicht u. A.
geltend, daß er die Gurken in seinem Geschäfte dringend gebraucht habe. Da der
Kläger wegen der anhaltenden Kälte nicht in der Lage gewesen sei, für die er-
frorenen'Gurken ihm alsbald eine Ersatzlieferung zugehen zu lassen, sei er genöthigt
gewesen, seinen Bedarf anderweit zu decken. Der Kläger hat hiervon nur zu-
gegeben, daß die Gurken zur Verwendung im Geschäft des Beklagte» bestimmt
gewesen seien, alles Andre geleugnet. Er hat weiter behauptet, daß bei Gurkcn-
lieferungen eine genaue Lieferungsfrist überhaupt nicht eingehalten werden könne
und daß die am 7. März 1895 erfolgte zweite Gurkensendung- noch- rechtzeitig ge-
wesen sei.
Daß bis zum 7. März 1895 eine strenge Kälte geherrscht habe, darüber sind
die Parteien einig.
- . Das Amtsgericht hat nach Vernehmung eines Sachverständigen den Beklagten
verurtheilt. Die vom Beklagten hiergegen eingelegte Berufung blieb erfolglos.
- . Aus den Gründen: , • ■
Dem Käufer, der eine mangelhafte Maare geliefert erhält,- stehen nach

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