Full text: Volume (Bd. 6 (1896))

dtenfel, Unsre Iuristensprache. 14t
dringlicher und anstößiger als Fremdwörter von Bedeutung. Sie machen die Sprache
unsauber und bringen sie auf eine Stufe mit der Markthallensprache. Man wendet
ein, pro Kopf sei kürzer als auf den Kops, es erspare den Artikel. Nun, gerade
weil die deutsche Sprache den Artikel hat, müssen wir fremde Verhältnißwörter,
die ihn ausschließen, vermeiden. WaS sich dem Bau unsrer Sprache nicht
regelrecht einfügt, ist für uns nicht verwendbar. UebrigenS ist Kürze
nur Borwand; ist etwa für Ostern, zu Wagen, im Jahre länger? Schlendrian,
Bequemlichkeit, Wichtigthuerei, Mangel an Sprachgefühl und an Schönheitssinn
— da sitzt der Haken. ,
Der Aufsatz soll sich befassen mit Stil, Denkfehlern, Verstößen
gegen die Sprachlehre, Mode.
Stil.
„Im Hinblick auf dieses negative Resultat des erstinstanzlichen kläge-
rischen Urkundenbeweises sowie in Berücksichtigung des Umstandes, daß
die Wissenschaft deS überdies in Ermangelung der Eidesmündigkeit in
Gemäßheit von § 358' der Civilprozeßordnung unbeeidel zu lassen ge-
wesenen und wegen seines verwandschaftlichen Verhältnisses zum Kläger
nicht voll glaubwürdigen Zeugen nur auf unzusammenhängende Bruch-
stücke der fraglichen am l. August 1894 stattgefundenen, für den An-
spruch des Klägers präjudizirlichenI * * 4) Unterredung mit Beklagtem sich er-
streckt, wie nicht minder in Würdigung der unstreitigen Thatsache, daß
Kläger selbst in dem von demselben am folgenden Tage an Beklagten
gerichteten Briefe demselben von dem fraglichen Inhalte der mehrgedachten
Unterredung etwas nicht erwähnt hat, konnte man in demjenigen, was
Kläger zum Beweise des von demselben geltend gemachten Anspruchs bei-
gebracht hat, einen genügenden Nachweis als erbracht nicht ansehen, und
erscheint sonach die Abhängigmachung der Entscheidung von dem von dem
Kläger Beklagtem zugeschobenen, von demselben angenommenen Eide, über
dessen Zulässigkeit gegenüber der Vorschrift in § 410 leg. cit. ein be-
. gründeter Zweifel nicht bestehen kann, gerechtfertigt, weshalb in der Haupt-
sache wie der Kosten halber so, wie geschehen, zu erkennen war."
Das ist schön — sagt der eingefleischte Jurist —, das ist eine gediegne Sprache,
eiir klassischer Aufbau. Das ist greulich — sagt der Nichtjurist, dem schon in
der Mitte des Satzes der Angstschweiß ausgebrochen ist —, das kann niemand
verstehen. Wer hat Recht? Wir wollen den Satz einmal von aller zünftlerischen
Schwulst und seinen zahlreichen Fehlern befreien und den Inhalt in schlichtem
Deutsch wiedergeben. Die Antwort mag sich der Leser selbst geben.
I Wie kann ein Mann von Geschmack so mißgebildete Wörter gebrauchen wie instanz»
lich und prüjudizirlich!
°) Satzvereins, wie ihn Daubenspeck (Die Sprache in gerichtlichen Entscheidungen)
nennen würde.

10* •

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