Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 2 (1839))

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Reyscher:

keinen Anstand nimmt, die durch die Confession getrennten Gatten
einzusegnen, wenn nur die Nachkommen der „allgemeinen" Kirche
zugeführt werden. Dagegen sind wir mit Rotteck vollkommen darin
einverstanden, daß weder durch eine künstliche Aufrechthaltung des
8tatus quo, noch durch ein Detail von Staatsgesetzen die vorhan-
denen Hebel gründlich zu heilen sind, sondern einzig und allein
durch eine, vom Innern der Gemeinden ausgehende Verbesserung.
Wie die von ihm gewünschte Wiederherstellung der ältesten Kir-
chenverfassung mittelst einzuberufender Provinzial- und National-
synoden, wozu auch Laien beigezogen würden, bewerkstelligt werden
solle, dazu scheint freilich, abgesehen davon, daß dieß ohne Tren-
nung von Rom gar nicht ausführbar wäre, der eben jetzt vorlie-
gende Streit keine günstige Aussicht zu eröffnen, wobei die Abhän-
gigkeit der katholischen Kirche von päpstlichen Deeretalen mehr als je
sich ausgesprochen hat. Indessen ist es in hohem Grade beachtens-
werth, wie nicht blos in der protestantischen, sondern auch in der
katholischen Kirche immer wieder der Wunsch nach einer Vertretung
der Gemeinde gegenüber der Kirchengewalt laut wird, und wie
nun gerade von den oben genannten beiden Verfassern jeder für die
Kirche seiner Confession eine urchristliche Synodalverfassung in An-
spruch nimmt, wodurch kirchliches Leben und kirchliche Gemeinschaft
befördert und wodurch es möglich würde, wahre Fortschritte in der
christlichen Erkenntniß der Kirche selbst anzueignen.
Den Münchner „historisch-politischen Blättern für
das katholische Deutschland" von Phillips und Görres (bis
jetzt 4 Bände), welche den eölner Streit für römische Zwecke auözu-
beuten trachten, haben sich „deutsche Blätter für Protestanten
und Katholiken" (Heidelberg, bei Winter, bis jetzt 3 Hefte) entge-
gengestellt, welche die Lehre von dem Verhältnisse der Kirche zum
Staate, „durch deren Entstellung und Verfälschung die neuen Je-
suiten und ihre dienstbaren Geister den Sinn des katholischen Volks
zu täuschen und die bestehende Ordnung zu verwirren trachten," zu
beleuchten und die wahren Ursachen und Folgen der Reformation
gegen die Verfälschungen und Verkleinerungen von der andern Seite
zu behaupten suchen.
Eine andere Art von Streit hat sich innerhalb der protestan-
tischen Kirche erhoben, betreffend die Hinweisung des geistlichen
Lehramts auf die symbolischen Schriften. Veranlassung dazu war
ein Reseript des Herzog!. - altenburger Consistoriums vom 13. Nov.
1838, worin Geistliche und Lehrer ermahnt werden, die dem Chri-
stenthum eigenthüinlichen positiven Lehren vom Vater, Sohn und
Geist, von Jesu göttlicher Natur und Wirksamkeit u. s. w. mit
Nachdruck innerhalb ihrer Gemeinden zu lehren. Der öffentliche Ta-
del, den diese Aufforderung in Verbindung mit der gleichzeitig gegen
einzelne Lehrer ausgesprochenen Rüge auf mehreren Seiten fand,
gab dem altenburgischen Consistorium Veranlassung, Bedenken der

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