Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 2 (1839))

Uebersicht überd. deutsch-rechtliche Litteraturv.J. 1839* 227
Kirchengewalt von einem norddeutschen Publieisten. Halle,
bei Schwetschke und Sohn.
Beide Schriften rühren von angesehenen Männern her, jene von
einem als geistreichen Historiker und freisinnigen Denker bekannten
Publieisten,' diese, wie wir hören, von einem hochgeschätzten Kir-
chen- und Staatsrechtslehrer zu Berlin (Heffter). Auch darin kön-
nen wir keine wesentliche Verschiedenheit erblicken, daß der Eine
als Katholik, der Andere als Protestant, der Eine als Publieist
des Südens, der Andere als ,,norddeutscher Publieist" urtheilt;
denn es hat sich in dieser Sache hinreichend herauögestellt, daß
Katholiken (Dank sei es dem Siege der Reformation!) ebenso un-
abhängig in Kirchensachen nrtheilen können, wie Protestanten;
und zwischen Norden und Süden sollte, wenn von Geistesrichtun-
gen die Rede ist, überhaupt nicht so unterschieden werden, wie
neuerdings geschehen ist. Dagegen bilden die Rotteck'sche und Heff-
ter'sche Schrift allerdings in anderer Hinsicht Gegensätze. Wäh-
rend die erstere für die durch den „Staatsabsolutismus" angeb-
lich bedrohte Freiheit der katholischen Kirche und der Kirchen über-
haupt in die Schranken tritt, wird in der letzteren der Staatsge-
walt in dem ihr neuerdings erklärten Kriege das Wort gesprochen.
Während Rotteck nur in kurzen Umrissen eine seinen bekannten po-
litischen und kirchlichen Ansichten zusagende Stellung zu gewinnen
sucht (wie unsicher und gezwungen ist nur die fc. 22 s. versuchte
Auslegung des von dem eölner Erzbischöfe gegebenen Verspre-
chens?), werden in der Heffter'schen viel umfassenderen Abhand-
lung die Thatsachen des Kampfes und die rechtlichen Gesichts-
punkte mit der dem Vers, eigenen juristischen Sicherheit und ob-
jeetiven Haltung geprüft. Was die Sache selbst betrifft, so sind
die Verfasser beider Schriften darin einig, daß die Stellung der
katholischen und protestantischen Confession zu einander und zum
Staate nicht nach hierarchischen, sondern nach paritätischen Grund-
sätzen zu beurtheilen sei. Auch wird schließlich die Unparteilichkeit
auf beiden Seiten dadurch gewahrt, daß, während Rotteck seine auf
Reinigung und Veredlung des Katholieismuö gerichteten
Wünsche unverholen ausspricht (Nr. IV), andererseits der „nord-
deutsche Publieist" mit ermahnenden Worten an die evangeli-
sche Kirche schließt. Daß der Grund des Streites auch nur theil-
weise da zu suchen sei, wo Heffter a. E. glaubt: in einer minder
sittlich strengen Ansicht (?) von der Ehe, namentlich in der Leich-
tigkeit der Ehescheidungen auf Seite der Protestanten, und daß
deshalb durch strengere gesetzliche Maßregeln in dieser Beziehung
eine Annäherung zwischen beiden Parteien könne bewirkt werden,
müssen wir durchaus bezweifeln, da ja die Bedenken auf katholi-
scher Seite nicht über die Zulässigkeit oder Räthlichkeit der gemisch-
ten Ehe als solcher, sondern über die Erziehungsreligion der Kin-
der erhoben worden, und auch der strengste katholische Geistliche
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