Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 2 (1839))

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Reyscher:

aus, und die sachgemäße Behandlung der in dem vorliegenden Bande
enthaltenen Lehren beweist, daß er derselben gewachsen sei.
Hierbei erlauben wir uns noch aufmerksam zu machen auf L.
Snell, Handbuch des schweizerischen Staatörechts, Zürich,
bei Orell und Füßli.
Das Kirchenrecht haben wir nur in so weit in die Rich-
tung dieser Zeitschrift ausgenommen, als es mit Instituten des
Privat- oder Staatsrechts zusammenhängt. In diesen beiderlei Be-
ziehungen verdient hier Beachtung der kirchliche Streit, welcher
sich von der Diöeese Cöln aus dem Erzbiöthum in Posen und so-
fort mehr oder weniger anderen, bis dahin ruhigen Theilen Deutsch-
lands mitgctheilt hat. Die Hauptpunkte des Streits sind: 1) die
Stellung der katholischen Geistlichen hinsichtlich der gemischten
Ehen; 2) das Verfahren der königlichen preußischen Regierung,
gegenüber den beiden Erzbischöfen zu Cöln und Posen. Beide
Fragen sind zunächst kirchenstaatsrechtlich; die erstere berührt zu-
gleich ein privatrcchtliches Institut, die Ehe. Nebenbei haben sich
auch noch andere kontroversen, namentlich über die Stellung des
Papstthumö, gegenüber dem Königthum; über die Freiheiten der
katholischen Kirche gegenüber Rom; über die Gegensätze des
Katholieismus und Protestantismus u. s. w. eingemischt. Die
Parteien sind auf der einen Seite zwei betagte Prälaten, in Ver-
bindung mit dem zu Rom residirenden Oberhanpte der katholischen
Kirche und einer Anzahl von Klerikern und Laien, welche die be-
stehenden bürgerlichen Gesetze, beziehungsweise die Autonomie der
Privaten hinsichtlich der Erziehungsreligion der in gemischter Ehe
erzeugten Kinder nicht anerkennen wollen, auf der andern Seite
die königlicke Regierung in Preußen, beziehungsweise alle an-
deren weltlichen Regierungen, welche jene Gesetze wider die
neuere kirchliche Diseiplin aufrecht zu erhalten gesonnen und ver-
pflichtet sind.
Die Litteratur, welche über diesen Streit binnen kurzer Zeit
angewachsen, ist so groß, daß wir wegen Mangel an Raum die-
selbe auch nicht einmal übersichtlich zu geben vermögen. Wir ver-
weisen daher ans die sehr vollständigen Colleetiv-Anzeigen (von
Richter) in dem Repertorium der gesummten deutschen Litteratur
von Gersdors, welche nicht weniger als 140 größere und klei-
nere, theils kirchenrcchtliche, theils kirchenpolitische und theologische
Schriften begreifen, nämlich Bd. XV, Nr. 380—409, Bd. XV f,
Nr. 577 — 590, Bd. XVII, Nr. 1154 — 93 u. Nr. 1403—88,
Bd. XXI, Nr. 1079 —1110. Auszuzeichnen sind hierunter fol-
gende zwei Abhandlungen:
Die eölnische Sache betrachtet vom Standpunkt des all-
gemeinen Rechts, 2. Auflage von C. v. Rotteck (Speier,
Landau und Grünstadt, bei Neidhardt).
Der gegenwärtige Grenzstreit zwischen Staats- und

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