Full text: Volume (Bd. 2 (1839))

Uebersichtüberd. deutsch-rechtlicheLitteratur v. 1.1839- 223
Regierungsbefehlen der Fürsten den Gehorsam zu
verweigern. Unter welchen Beschränkungen dieses äußerste Recht,
ohne das die Unterthanen dem Regenten gegenüber als rechtlos er-
scheinen würden, zu verstehen sei, ist in dem jenaer und tübinger
Gutachten sowohl, als auch in der Zeitschrift a. a. O. ausgeführt.
Den Grundgedanken der Maurenbrecher'schen Schrift, daß eine der
Fürstensouverainetät feindliche, gleichwohl aber von der Volks -
souverainetät verschiedene Staatssouverainetät seit einigen Jahren
die herrschende Lehre in Deutschland geworden sei, welche bekämpft
werden müsse, können wir insofern nicht für richtig erkennen, als
die Idee von der juristischen Persönlichkeit des Staats eine noth-
wendige und selbst im patrimonialen Principe nie ganz unterge-
gangene ist, und als, der Natur der Sache nach, der Grund des
Staats, und daher auch die ursprüngliche Quelle der öffentlichen
Gewalt in demselben, nicht außer ihm gesucht werden kann. Wenn
übrigens von einigen Schriftstellern der Staat in corpore als Sub-
ject der Staatshoheit angegeben und dem Regenten nur die Aus-
übung derselben zugeschrieben wird, so können wir dieser Ansicht
nach dem positiven deutschen Territorialstaatsrechte allerdings nicht
beipflichten; doch tritt auch hierin nicht eine neue Idee der soge-
nannten Staatssouverainetät hervor, sondern nur eine der mög-
lichen Auffassungsweisen der Volkssouverainetät. Der verschie-
dene Sinn, welchen der Vers, mit dem Worte ,,Staat" verbin-
det, invem er bald darunter blos den Landesherrn, bald die Ge-
sammtheit der Staatsangehörigen, bald endlich das Volk im Ge-
gensatz zum Regenten begreift, ist bereits in einer kleinen Schrift:
Wahrheit und Jrrthum in der Maurenbrecher'schen
Schrift: die deutschen regierenden Fürsten rc. (von Nebelthau),
(Kassel, bei Appel) S. 22 f.
gerügt worden. Indessen möchte ebensowenig der letztem beizutreten
sein, wenn eine, dem Regenten gegenüber gestellte juristische Persön-
lichkeit des Volks (S. 23), selbst in Staaten mit Repräsentativ-
Verfassung geläugnet wird, welche Verfassung sich rechtlich nur begrei-
fen läßt, wenn Volk und Regierung theils im Gegensätze, theils aber
auch wieder in einer Einheit, die ja eine Wahrheit voraussetzt, mit
andern Worten, wenn mit Maurenbrecher S. 174 angenommen
wird: daß Volk und Fürst um des Staats und der Staat um Bei-
der willen da sei.
Eine gute Bearbeitung des Particularstaatsrechts enthält:
Fr. Milhauser, das Staatsrecht des Königreichs Sachsen,
mit Einschluß des Privatfürstenrechts und der völkerrechtlichen
Verhältnisse systematisch dargestellt, 1. Band, Leipzig, bei
Tauchnitz, jun.
Ueber die Ausgabe, welche die Wissenschaft des positiven Staats-
rechts zu lösen hat, spricht sich der Vers, in der Vorrede sehr richtig
Zeitschrift f. d. deutsche Recht. 2. Bd. 2. 1A

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