Full text: Volume (Bd. 2 (1839))

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Die Lehre von dem Spiel u. s. w.
Strafe das Rückforderungsrecht gesetzt hat: so kann man nicht wohl
da, wo eine Strafe wieder eingeführt ist, aus dem obigen allgemei-
nen Grunde (wenn man ihn auch als richtig anerkennen wollte),
die Unzulässigkeit des Rückforderungsrechts ableiten wollen, da die
turpitudo des Spielers nicht erst durch Einführung einer Strafe
wieder hergestellt ist, und das Rückforderungsrecht, welches hier auf
einer besondern Verordnung beruht, mit dem Eintritt einer Strafe
sich wohl vereinigen läßt. — Gegen den andern Grund hat man
aber eingewendet, daß mit der Beschlagnahme, des gerade auf dem
Spieltisch gefundenen Geldes, sich sehr wohl die Rückforderung des-
sen, was in das Eigenthum des gewinnenden Spielers übergegan-
gen ist, vereinen lasse. — Dann haben die Vertheidiger des Rück-
forderungsrechts aber besonders noch ausgeführt, wie wir uns an
das römische Recht, welches die Grundlage des gemeinen Rechtes
auömacht, so lange nicht besondere Gründe davon abzugehen nöthi-
gen, halten und es mit den abweichenden Particularrechten mög-
lichst in Uebereinstimmung zu bringen suchen, d. h. diese als dero-
garische Gesetze stricte interpretiren müssen.
Man wird die Richtigkeit dieser letzten Sätze, insofern ihnen
nur keine unrichtige und unser deutsches Recht benachtheiligende An-
wendung gegeben wird, was bei der noch immer im Entwickeln be-
griffenen Erkenntniß des letztem wohl geschehen kann, — nicht be-
streiten wollen. Der ganze Standpunkt bei Beurtheilung der Frage
über das Rückforderungsrecht würde aber ein anderer gewesen sein,
wenn man davon ausgegangen wäre, daß die über das Spiel herr-
schenden Rechtsgrundsätze nicht eigentlich die des römischen Rechts,
sondern deutschen Ursprungs sind, und es würde dann doch, wie ich
glauben möchte, sich ergeben haben, daß dasselbe nicht wohl zur An-
wendung gebracht werden kann. Die Gründe sind aber folgende:
1) Wenngleich das römische Recht das Spielen, als etwas Uner-
laubtes und bis auf Justinian Strafbares ansah, so offenbart sich
darin die Ansicht (die sich selbst in den Pandekten finden läßt, wo be-
sonders von der Gelegenheitbietung und dem Zwange zum Spiel die
Rede ist), daß der Verlierende, als der in der Regel Verleitete und,
wenn auch unrecht Handelnde, doch auch Unglückliche angesehen
wurde; und eine solche Auffassung muß besonders zum Rückforde-
rungsrecht hinleiten. In den deutschen Gesetzen wird aber der Ver-
lierende dem Gewinnenden fast durchgängig gleichgesetzt, es ist nicht

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