Full text: Volume (Bd. 2 (1839))

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Wilda:

nur als Abweichungen von dem gemeinen Rechte angesehen wer-
den. — Es haben die Juristen schon vom Standpunkt des römi-
schen Rechtes aus behauptet, daß wegen der Schuld aus einem ver-
botenen Spiel auch kein Vergleich geschlossen werden könne J); vom
Standpunkt des deutschen Rechtes aus muß dieses aber auf alle Spiel-
schulden bezogen werden, so wie darnach überhaupt ein jedes Rechts-
geschäft ungiltig ist, durch welches der Grundsatz, daß nicht aus Borg
gespielt werden soll, der die Natur eines bestimmt verbietenden Ge-
setzes hat, und hie und da selbst durch Androhung von Strafen noch
verschärft ist, umgangen wird. Schon ältere Statuten erwähnen da-
her mehrfach der Ungiltigkeit einer Bürgschaft für eine Spielschuld;
in dem sächsischen Spielmandat ist besonders ausführlich von der
Nichtigkeit und der Behandlung von Schuldverschreibungen und Wech-
sel^), denen eine Spielschuld zu Grunde liegt und diese gleichsam ver-
bergen sollen, die Rede. Eine Spielschuld, als eine in sich nichtiges,

den die Commerzspkele eine rechtliche Forderung. Dagegen Paulsen,
schleswig-holsteinisches Privatrecht §. 115: „Spiele haben nach Gerichts-
gebrauch, so wie nach besondern Gesetzen überhaupt keine Rechtswirkung."
So auch in Frankfurt a. M„ s. Adlerflycht, Privatrccht §, 538 und
Bender, Privatrccht Bd. 1. §. 79.
1) Schon Paris a Puteo üe ludo §. 21 U. Cacialupi de ludo §. 34. Die
Zulässigkeit eines solchen Vergleiches hat man ableiten wollen aus L. 27.
§. 3, 4. D. de pactis (2. 14.) L. 18. C. de transact. (2. 4.) L. 56. §.
D. de furiis ,47. 2.'; allein wie wenig die Befugnis, das, was durch ein
Delict verwirkt worden, durch einen Vergleich zu erlassen, hier zur An-
wendung kommen kann, ist schon wiederholt bemerkt worden. S. bes.
Carpzov, Pract. rer. Crim. III. 9. 134. n. 24. bes. dazu Boehmer, Obss.
ad Carpzov, obs. 2., und Overbeck, Meditationen LH. 3. Med. 160.
Glück, Commentar Bd. XI. S. 348.
2) Riccius, de cambio super pecuuia lusu deperdita, in Exercitt. jur. camb.
V. Sect. 5. p. 171 sqq.
3) Schon Julius Clarus 1. c. §. Ludus n. 9. sagt: Cum enim occasione
ludi non possit esse lis pariter etiam non cadit transactio. Emtio ven-
ditio, mutuum aliique contractus ludi occasione celebrati ipso jure nulli
sunt, nec ulla ex hisce actio collusoribus datur. — Vergl. auch Chur-
fürstl. pfälz. Landrecht. Anderer Theil. Tit. 26. (Heidelb. 1582), Bl.
41 b: Dieweil in unserm Churfürstenthum allen unfern Unterthanen gefähr-
liche, theuere Spiele verboten, sollen gleichfalls alle Conträcte, Pacta, Au-
sagungen, so deswegen beschehen, für nichtig und kraftlos gehalten wer-
den u. s. w. Wiederholt im Landrecht v. 1698, Lit. 2. §. 4* (b. von
der Nahmer, Handl». d. rhein. Partie. - Recht. Bd. 1. S. 482).

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