Full text: Volume (Bd. 2 (1839))

Die Lehre von dem Spiel u. s. w. 166
II. Entwicklung der Unterscheidung zwischen erlaubten und
verbotenen oder strasbaren Spielen, als Grundlage der
jetzt geltenden Rechtsansicht.
Immer bestimmter bildete sich und zwar auch zunächst wieder in
den Städten, wohl zum Theil veranlaßt durch die wirklich oder ver-
meintlich oftmals dabei vorgekommenen Unredlichkeiten, eine dem
Spiele ungünstige Ansicht aus, welche zu einer strengen Gesetzge-
bung in Betreff desselben führte. Wie man über das Spiel zu den-
ken anfing, ergibt eine Aeußerung der Glosse zum sächsischen Land-
recht (III. 6.): „Wiß aber erstlich, daß ein Spieler viel erger ist
als ein Räuber; dann indem er mit einem spielet, könnte er es ihm
abwünschen, so thet er es lieber, dann daß er es ihm abgewin-
nen soll/' Das alte culmer sagt *): Doppelspiel sei „ein Spiel
von Muthwillen", bei welchem sich ein Jeder „vor Trug zu hü-
ten" hat; „wenn sich ein Mann, der zu seinen Jahren gekom-
men, beim Kegel und andern Spiel äffen läßt, so habe er den
Schaden", heißt es im alten augsburger Stadtrecht1 2). Aus dem
Allen geht hervor, daß man eine leidenschaftliche Gewinnsucht, die
selbst unredliche Mittel, um zum Zweck zu gelangen, nicht ver-
schmähte, bei den eigentlichen Spielern voraussetzte. — Bei der
großem Rohheit der Sitten, scheint das Spiel nicht nur mit aller
der, für Moralität und Wohlstand verderblichen Leidenschaftlichkeit
betrieben worden zu sein, wie es auch mitunter bei uns der Fall
ist, sondern sehr häufig zu den wildesten Seenen und blutigen Auf-
tritten Veranlassung gegeben zu haben. Es wird berichtet, daß
gegen Ende des 15. Jahrhunderts das Stadtgericht zu Ulm vollauf
zu thun hatte, um die bei dem Spiel durch Gewaltthätigkeiten ent-
standenen Händel zu schlichten3), und mehrfach ist selbst noch in
Statuten des 17. Jahrhunderts davon die Rede, daß das Spie-
len oftmals zu Zank, Schlägerei, Mord und Todschlag führe. Da-
bei scheint die Spielsucht sehr weit verbreitet gewesen zu sein, und
besonders im 14. und 15. Jahrhundert in manchen Städten sehr
überhand genommen zu haben. So erzählt Jäger in seiner Ge-
schichte von Ulm : „daß auch das weibliche Geschleche seine Kart-

1) S. oben S. 149, Note 3.
2) S. oben S. 152, Note 4.
3) Jäger, Ulms Verfassung u. s. w. in M. A. Stuttg. 183!, S. 542.

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