Full text: Volume (Bd. 2 (1839))

Die Lehre von dem Spiel u. s. w.

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A. Das Spiel in feinem Verhältnis zur Gesetzgebnng
überhaupt.
Das Spiel ist bei den Römern, wie bei den Deutschen der Ge-
genstand einer besonders thätigen und eingreifenden Gesetzgebung
geworden; die Pandekten weisen auf eine Reibe Senatsbeschlüsse,
Bestimmungen im prätorischen Ediete hin, und Justinian hat in be-
sondern Constitutionen eine Art Revision der bis dabin geltenden
Rechtsgrundsätze vorgenommen; der Inhalt der deutschen Rechts-
quellen soll in dieser Abhandlung dargelegt werden. Durch die rö-
mische, wie deutsche Gesetzgebung ist die nach unseren Rechts- und
Staatsbegriffen einem jeden freien Manne zustehende Befugniß seine
Beschäftigung im Einzelnen wie im Ganzen zu bestimmen, über
Zeit, Kräfte, Vermögen in der Regel frei zu verfügen, sich gegen
Andere rechtskräftig verbindlich zu machen, in Beziehung auf das
Spiel mannigfach beschränkt worden. Man hat bei diesen Beschrän-
kungen aber entweder nur gewisse Arten von Spielen vor Augen ge-
habt, oder es haben diese doch die nächste Veranlassung selbst da ge-
geben, wo man weiter gegangen ist. Es sind dieses aber diejenigen
Spiele, die in gewinnsüchtiger Absicht betrieben werden. Es
gehört dieses aber keineswegs zum Wesen des Spieles überhaupt,
selbst nicht derjenigen Spiele, deren regelmäßige Einrichtung es mit
sich bringt, daß ein Gewinn und Verlust, welcher sich nach dem
stillschweigend oder ausdrücklich eingegangenen Spielvertrag richtet,
dabei stattfindet. Der eigentliche, im Begriff des Spieles begrün-
dete Zweck, worauf auch der allgemeine Gebrauch des Wortes zu-
rückweist, ist Unterhaltung, Verkürzung der Zeit. Das Spiel ge-
hört vorzugsweise dem Kindesalter an, wo das Leben nur noch Lust
und Genuß ist, es dient aber auch zur Zerstreuung, Erholung für
diejenigen, welchen der Ernst des Lebens mit seinen Arbeiten, Mü-
hen unv Sorgen schon nahe getreten ist. Es verbindet sich damit
die Vorstellung einer Beschäftigung ohne Anstrengung, daher das,
was Jemandem leicht wird, und auch wohl die Ausübung einer
Kunst, weil dieUebung hier Fertigkeit und Leichtigkeit erzeugt hat,—
besonders wenn sie erheiternd wirkt (wie die Tonkunst), — Spiel ge-
nannt wird. Spiel und Arbeit werden einander entgegengesetzt, und
während diese die Grundlage und das Band der bürgerlichen Gesell-
jchaft ausmacht, ist das Spiel in volkswirthschaftlicher Beziehung

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