Full text: Volume (Bd. 2 (1839))

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Dr. Duncker:

oder Wiedererlangung desselben nur bei einer nova dissaisina, d.
h. einer solchen Statt hatte, welche vor nicht langer Zeit gesche-
hen war. So nach altenglischem Rechte *); ans gleiche Weise wird
nach den Assisen von Jerusalem C. 63. der Schutz nur gewährt
bei einer nouvelle dissaisine, d. h. hier innerhalb vierzig Tagen
seit der Bcsitzentsetzung (wenn der Besitzer nicht durch Krankheit,
Gefangenschaft u. s. w. in dieser Zeit verhindert war), während
in den coutumes de Leauvoisis c. 32. und dem codex le^um
Normannicarum üb. 2. c. 29. §. 16. die Zeit auf Jahr und Tag
festgesetzt wird.
Ist es nun richtig, daß die Spolienklage kein selbstständiges
Rechtsmittel, sondern nur die deutsche Form des interd. de vi ist,
so muß man auch behaupten, daß dieselbe innerhalb eines Jahres
durch Verjährung erlösche, da eine andere dem deutschen Recht ei-
genthümliche Verjährungsfrist nicht praktisch geblieben ist. Heer-
wart 1 2 3) hält diese Ansicht für ineonsequent; ,,denn wenn man ein-
mal eine Besitzentsetzung und eine Wiedereinsetzung bei den Real-
lasten als möglich annimmt, so muß man nach Analogie des inter-
dicti unde vi, welches doch der Spolienklage zu Grunde liegen soll,
nur dreißigjährige Verjährung zulassen, denn alsdann wäre ja die
Ausübung des Rechtes allerdings das, was entzogen und wodurch
der Gegner bereichert worden ist, und was restituirt werden soll, mit-
hin müßte da die Vorschrift der L. 1. pr. de vi eintreten: post an-
num de eo, quod ad eum, qui vi dejecit, pervenit, judicium da-
bo.“ Die Anwendung dieser Bestimmung scheint mir aber auf den
Quasibesitz ganz unmöglich. Der in der Ausübung des Eigenthums
bestehende Besitz, possessio corporibus, unterscheidet sich nämlich
von dem die Ausübung eines dinglichen Rechtes enthaltenden Qua-
sibesitz, juris quasi possessio, darin, daß jener sich unmittelbar an
eine körperliche Sache knüpft, und der Besitz dieser Sache ist
es gerade, worin die Ausübung des Eigenthums besteht; bei der
juris quasi possessio dagegen ist kein solches Substrat vorhanden,
an deffen Besitz man die Ausübung deö>Rechts knüpfen könnte^.

1) Glanvilla, tract. de legibus lib. 13. c. 34 U. 36. Phillips, engl.
Reichs- und Rechtsges. Th. 2. S. 150 ff.
2) A. a. O. S. 321.
3) v. Savigny, S. 209.

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