Full text: Volume (Bd. 2 (1839))

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Reyscher:
des Landesherrn zu einer Landstener. Der Grund hievon war aber
nicht sowohl ein landesherrliches jus colleclandi, als vielmehr die
Selbstbesteuerung der Stände, analog ihrer Selbstgesetzgebung (Au-
tonomie). Daher auch nicht bloß das Erkenntniß über die Noth-
wendigkeit und die Art der Steuer, sondern auch das Recht der
Umlage und des Einzugs häufig entweder ganz oder unter Coneur-
renz des Landesherrn den Landständen zukam. Dieß fand nament-
lich seit dem 16. Jahrhundert, ungeachtet jetzt erst *) mit der ausge-
bildeten Landeshoheit auch ein landesherrliches .jv8 collectandi und
subcollectandi zum Vorschein kam, sehr häufig Statt. Während
die alten pactirten Steuern, welche unabhängig von einer landstän-
dischen Gesammtverwilligung mit den einzelnen Gemeinden oder
Hintersassen besonders festgesetzt worden waren und theilweise Ab-
findungen für frühere leibeigenschaftliche und vogteiliche Lasten ent-
hielten, regelmäßig bis in die neueste Zeit unmittelbar zur landes-
herrlichen Kammer erhoben wurden, flössen dagegen die außerordent-
lichen Steuern oder Schatzungen, welche jetzt die vereinigten Stände
bewilligten, häufig in eine besondere ständische Steuercasse, um von
hier aus zu den verwilligten besonderen Zwecken verwendet zu wer-
den. Dabei blieb es Grundsatz, daß die Landesausgaben zunächst
auf den Kammereinkünften haften, und nicht einmal eine durch-
gängige subsidiäre Verpflichtung der Stände zu Deckung derselben
ward angenommen.
Reichten die Kammereinkünfte nicht hin zu Bestreitung der
darauf ruhenden Haus - und Landesbedürfnisse, so wurden entweder
Schulden (Kammerschulden) gemacht, oder die Stände um einen
Beitrag (Kammerbeitrag) gebeten, der jedoch ebenso auf freiem
Willen beruhte, als eine Uebernahme landesherrlicher Schulden.
Nur zu einzelnen Arten von Kammerausgaben: Reichs - und Kreis-
steuern, Kammerzielern, Kosten der Besetzung und Erhaltung der

*) Ludolf, Observatt. forenses, Vol. I. p. 265. Note 1. „A.nte Seculum
XVI. Collectas subditis imperatas fuisse a statibus Imperii, probatu
erit difficile. Non, quod potestate territoriali, quam hodie superiori-
tatem vocant, caruerint, sed quod eis haec potestatis pars nondum
fuerit aggregata.-Ex propriis bonis sustentavere plerique Do-
mini regionum et se et familiam unusquisque pro modo facultatum,
luxus hodierni felici ignorantia.”

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