Full text: Volume (Bd. 2 (1839))

Dr. Duncker:

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Nach dem kanonischen Recht soll nämlich der Ehemann, wenn die
Frau ihn verläßt J) und diese, wenn jener sie vertreibt, als spoliirt
angesehen1 2 3 4 5) und der ans diese Weise das eheliche Beisammenleben
aushebende Ehegatte vom Richter zu dessen Fortsetzung angehalten
werden, wenn dieselbe nicht als sündlich (z. B. wegen zu naher
Verwandtschaft^)) oder wegen der Rohheit des Mannes als lebens-
gefährlich für die FraiG) angesehen werden muß. Dieser dem eheli-
chen Verhältniß zu gewährende Schutz kann aber, wie von S a -
vigny'') nachgewiesen hat, nur als eine provisorische Maß-
regel, die mit dem Besitz durchaus nicht in Verbindung steht, ange-
sehen werden. Auch beweiset für die gemeine Meinung der Umstand
nichts, daß in e. 13. eit,, der Ehemann und die Ehefrau in den eben
angeführten Fällen spoliatus und spoliata genannt werden; denn
dieser Ausdruck kommt auch in einer weitern ganz unjuristischen dem
deutschen berauben entsprechenden Bedeutung, welche er beiden
lateinischen Classikern hat, auch noch später vor; so wird z. B. in
einer vom Bischof von Regensburg ausgestellten Urk. v. I. 12966)
von denjenigen, welche die der Kirche vermachten Legate nicht aus-
zahlen, gesagt, daß sie den Testator seines Seelenheiles beraubten
(„salutis remedio spoliantes“). Daß spoliare in diesem weitern
Sinne im e. 13. gebraucht ist, muß man aber deshalb annehmen,
weil die engere und juristische Bedeutung, in welcher es die Entzie-
hung des Besitzes bezeichnet, hier ganz ohne Sinn ist.
Mit mehr Schein könnte man sich mit Geiger aus eine andere
Aeußerung dieses e. 13. beziehen. Der Fall ist folgender: Eine
Frau hatte ihren Mann verlassen und auf Ehescheidung geklagt,
weil sie mit demselben in einem indispensabeln Grade verwandt sei.
Der Mann verlangte dagegen, daß die Frau vorerst wieder zu ihm
zurückkehre. Papst Jnnoeenz 111., an welchen sich der Richter, bei
dem die Sache anhängig war, mit der Bitte um Belehrung gewen-
det hatte, reseribirte, daß über diesen Fall verschiedene Ansichten
herrschten. Von Einigen werde nämlich behauptet, es müsse zuerst

1) 6. 8. 13. X. de restit. spol. (2. 13.)
2) C. 10. X. eod.
3) C. 10 et 13. X. eod.
4) C. 8. c. 13. in iiu. eod.
5) Besitz §. 49.
6) Mon. Boica, t. 26. n. 43. p. 37.

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