Full text: Volume (Bd. 2 (1839))

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Di\ Dunckcr:

schon durch die ältern Kirchengesetze eingeräumte Recht, dem Bischof
die Spiritualien zu ertheilen, in Ausübung; und daß hierbei
die Idee eines zwischen dem Papst und den Bischöfen bestehenden
Lehensnerus immer festgehalten wurde, ergibt die bei der Eonseera-
tion der Bischöfe übliche, der Belehnung mit weltlichen Gütern nach-
gebildete Form, so wie der schon seit Gregor Vit in einen wahren
Vasalleneid verwandelte frühere Eid des kanonischen Gehorsams').
So wie also die Hoheitsrechte des weltlichen Regenten auf ein be-
stimmtes Territorium radieirt waren, so erstreckten sich die spirituel-
len Rechte des Kirchenobern über die einzelnen kirchlichen Sprengel.
Daher konnte man nach der oben angeführten Nrk. v. I. 1313 von
,einer rechten Gewere am Patronatrecht sprechen, so wie von einem
Besitz des Rechts, eine Pfründe zu besetzen. Hierher gehört die oben
unter V. abgedruckte Urk. v. I. 1293, wo von einer possessio juris
vel quasi instituendi (parochum) die Rede ist. Aus dieselbe Weise
verhielt es sich bei der Besetzung weltlicher Aemter:
Auszug aus einem zwischen dem Bischof von Worms und der
Stadtgemeinde daselbst geführten und im kaiserlichen Hofge-
richt 1494 entschiedenen Proeesse (Schannat, hist. ep. Worm.
t. 2. n. 276). Der Bischof bringt hier vor:
Wiewohl sein vorl'arn ßischove zu Worms und Er eins,
zehen, zwentzig, dreyzig, viertzig, oder ye so viel jare
als zu recht genug seye, in ruhigem beses oder quasi
possess nutz und gewere gewest wcren, Bürgermeister,
Schultheissen, Käthe, Richter und Grellen in der stat
Worms — zu besetzen —
Hiermit ist die unter XV111. mitgetheilte Urk. v. I. 1393 zu ver-
gleichen, wonach der Abt zu Pegau in dem Besitze des Rechts ge-
schützt wird, den Stadtrath daselbst zu eonsirmiren und sich den
Huldigungseid leisten zu lassen.
Es ist daher irrig, wenn Geigers das Recht der Besetzung
geistlicher Pfründen für ein persönliches hält, und daher be-
hauptet, daß das kanonische Recht einen Besitz auch bei Ausübung
persönlicher Rechte annehme.

1) Das. §. 316. Kirchenrecht Th. 1. S. 388 ff. Bergt. auch Th. 2. S.
743 (beneficium bedeutet Lehen und Pfründe).
2) A. a. O. S. 277.

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