Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 2 (1839))

Die Versorgung der Wittwen und Kinder u. s. w. 5
wär's Sache, daß seine Hausfrau Adelheyd (Gräfin von Ra-
vensberg) Todes halber abginge, so er dann seinen Wittwer-
ftand keuschlich nicht halten könne, so wolle er keines Fürsten
oder Grafen Tochter nehmen, damit durch zweierlei Kinder
das Land nicht vertheilt würde', sondern er wolle eine fromme
Jungfrau aus seiner Ritterschaft zur Ehe nehmen, die wolle er
mit Gelde und Lehnschaft und andern Gütern wohl
versorgen, daß die Fürstenthümer bei einander blieben*).
Also nnr eine reiche Morgengabe und Abfindung!
4) Als Kurfürst Friedrich von der Pfalz, mit dem Beinamen
der Siegreiche, in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts
ein Münchner Hoffräulein gegen das seinem Neffen, Adoptivsohn
und Nachfolger gegebene Versprechen, sich nicht zu verheirathen, ge-
ehelicht hatte, so wurde dieser Gemahlin sammt den mit ihr erzeug-
ten zwei Söhnen nicht nur im Jahre 1473 unter Zustimmung des
gedachten Neffen eine Capitalversorgung von 18000 fi. ausgesetzt,
sondern es errichtete auch noch Kurfürst Friedrich im Jahre 1476
auf den Grund der ihm von Jenem gemachten Concessionen ein
förmliches Testament, wodurch er seinem damals allein noch übrigen
Sohne Ludwig, unter Bestätigung aller schon früher gemachten
Schenkungen an Gütern und Capitalien, noch mehrere zur Pfalz
theils von ihm, theils von den Vorfahren erworbene Aemter und
Herrschaften überwies, namentlich Meckmühl, Weinsberg, Neustadt
am Kocher, Löwenstein, Umstadt und Otzberg, wovon wenigstens die
Grafschaft Löwenstein dem jungen Ludwig von Baiern nebst der ihm
schon früher übereigneten Herrschaft Scharfeneck und einigen kleinern
Lehen und Capitalien verblieb, als seine Vormünder und späterhin
auch er selbst nach dem Tode des Kurfürsten genöthigt wurden, Al-
les Uebrige dem kurfürstlichen Nachfolger, Pfalzgrafen Philipp, zu-
rückzugebcn. Auch wurde von Ludwig nur zu Gunsten des Kur-
fürsten Philipp und seiner männlichen Nachkommenschaft auf sein
väterliches Recht verzichtet, sein agnatisches Recht an sich nie bestrit-
ten, und selbst vom römischen König Maximilian l. seine fürstliche
Staudeseigenschaft förmlich anerkannt1 2).

1) Schminke, Monim. Hass. II. p. 452. Moser, Famil. St. R. II. 62.
2) Die besondern Eigenthümlichkeiten dieses Falles, worauf es hier nicht
näher ankommt, sind dargestellt in folgenden Schriften:

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