Full text: Volume (Bd. 2 (1839))

Heber dominium directum und utile. 209
Proprietät haben, und also beide als wahre Eigenthümer gelten
sollen, so ist nicht einzusehen, warum das Consolidations-
recht, welches auf Seiten des ersten bei dem Erlöschen des Rech-
tes des letzten Statt findet, nicht auch im umgekehrten Falle ein-
treten sollte. Beim Lehen geschieht dieses nach ausdrücklicher Ver-
fügung der Gesetze *) in der That dann, wenn der Lehensherr
eine Felonie begeht. In den übrigen Fällen hingegen, in welchen
das Recht des Lehensherrn erlischt (z. B. wenn derselbe unbeerbt
stirbt) und bei den andern Arten des getheilten Eigenthums wird
allgemein angenommen, daß das Aufhören des Rechtes des Ober-
eigenthümers dem Untereigenthümer nicht zu Gute komme, sein
bisheriges beschränktes Eigenthum daher nicht in volles verwan-
delt werde. Diese Jnconsequenz wird dadurch nicht beseitigt,
daß man annimmt, bei dem getheilten Eigenthume finde eine Zer-
splitterung des Eigenthums in zwei ungleichartige Theile
Statt1 2), denn nur auf der Seite dessen, welchem der das Con-
folidationsrecht begreifende Theil zugesallen, ist Eigenthum3).
Obwohl Mittermaier und Maurenbrecher die von
dem Standpunkt der Theorie aus gegen das getheilte Eigenthum
zu machenden Einwendungen als gegründet anerkennen, so haben
sie dennoch dasselbe deshalb nicht ausgegeben, weil es durch den
Gerichtsgebrauch, das Juristenrecht und die spätere Ge-
setzgebung vollständig befestigt sei. Allein es würde traurig
um unsere Wissenschaft aussehen, wenn wir alle Jrrthümer, welche
die Vorzeit uns überliefert hat, blos deshalb, weil sie durch das
Alterthum geheiligt sind, der besseren Erkenntniß nicht zum Opfer
bringen dürften. Der Gerichtsgebrauch enthält nur eine Anwendung
der Theorie, erklärt und ergänzt dieselbe, und steht daher der Gel-
tendmachung einer als richtiger anerkannten Theorie nicht im Wege 4 5).
Aber auch die Re ichsgesetze ^), auf welche die zur Zeit ihrer Ab-

1) II, F. 26, §. 9; II, F. 47.
2) Mauren bre cher , Deut. P.-R., §. 188.
3) v. Vangerow, a. a. O., §. 295, Amn. 1.
4) Jordan, im Arch. f. d. civ. Pr., B. 8, S. 238 ff.
5) Kam.-G er.-Ord. v. I. 1521, Tit. 32, §♦ 2: „Vnd ob sich ye zu
zeiten begebe, daß ainer — den andern entsetzt — sol der entsetzer da-
durch directum dominium das aigenthumb oder hauptgerechtigkait der
güter oder gerechtigkait — verlorn haben. Wo aber dieselbigen güter
Zeitschrift f. d. deutsche Recht. 2. Bd. 1.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer